Händler räumen mit Schließungs-Gerüchten auf

Lütgendortmunder Ortskern

Mal köchelt sie auf Sparflamme, mal kocht sie fast über: Die Gerüchteküche im Lütgendortmunder Ortskern über mögliche Geschäfts-Schließungen brodelt eigentlich immer. Zurzeit sind wieder viele Gerüchte im Umlauf – und das schmeckt den betroffenen Geschäftsleuten gar nicht. Wir haben nachgefragt, was an den Gerüchten dran ist.

LÜTGENDORTMUND

, 31.01.2017, 02:50 Uhr / Lesedauer: 3 min
Einige Ladenlokale stehen im Lütgendortmunder Ortskern leer.

Einige Ladenlokale stehen im Lütgendortmunder Ortskern leer.

Auf unserer Rundtour durchs Dorf haben sich die Einzelhändler in die Töpfe schauen lassen und klar gestellt: "Wir bleiben."

So lief unsere Tour:

  • Erste Station ist das Friseur-Geschäft „HaarGenau“ von Ingrid Broncz. 2006 hat die 46-Jährige das Geschäft an der Limbecker Straße 1 übernommen. Die Nachricht über die angebliche Geschäftsaufgabe erreichte sie über ihre Kunden. „Ich bin kein Typ, der einen 10-Jahres-Plan hat, aber im Moment kann ich sagen: Ich möchte nicht aufhören. Es passt hier einfach“, sagt Ingrid Broncz. Und das, obwohl mit sieben weiteren Salons im Umfeld die Konkurrenz groß sei. „Ich bin einfach gerne hier“, sagt die gebürtige Rumänien.
  • Weiter geht es zum Parfümerie- und Kosmetikinstitut „Beauty Day“, Limbecker Straße 5. Seit 13 Jahren leitet Gudrun Staupendahl den Salon. Auch sie ärgert sich über die Gerüchte, die derzeit die Runde machen: „Nein, ich plane nicht, mein Geschäft zu schließen. Dann hätte ich wohl kaum noch Gutscheine im Weihnachtsgeschäft verkauft“, sagt sie. Aber sie räumt ein: Früher habe der Branchenmix mehr und auch auswärtige Kaufkraft ins Dorf gelockt. Vor allem ihre Stammkunden, die das Kabinen-Angebot schätzten, sicherten den Fortbestand ihres Kosmetiksalons.
  • Auch Iryna Lyshtva vom Weinverkauf Uecker, Limbecker Straße 16, hörte in der jüngsten Vergangenheit immer wieder Stimmen des Bedauerns zur bevorstehenden Schließung. Die 33-Jährige, für die Wein schon immer ihre Leidenschaft war, schüttelt energisch mit dem Kopf: „Nein, ich habe nicht vor, Lütgendortmund zu verlassen. Es ist sicher nicht einfach hier im Vorort, aber im Vergleich zu meinen Anfängen ist die Tendenz steigend“, sagt die junge Frau. Im Juli 2015 wagte sie ihren Neustart in Lütgendortmund.
  • Schon deutlich länger, nämlich rund 30 Jahre, hat das Optiker-Fachgeschäft „Mues & Sternemann“, Limbecker Straße 20, eine seiner drei Niederlassungen im Dorf. Und daran soll sich auch nichts ändern, versichert Geschäftsführer Jens Mitschke. Im Gegenteil: Man wolle sich sogar vergrößern, verrät der 39-Jährige – und erteilt damit allen Gerüchten eine deutliche Abfuhr.
  • Bereits seit 45 Jahren arbeitet Ingeborg Schindler in ihrem gleichnamigen Textil- und Gardinenhaus, Limbecker Straße 25. Mindestens ein Jahr soll das auch noch so bleiben. „Immer wieder kommen Kunden rein und sagen mir, wie schade sie es finden, dass ich bald schließe.“ Das sei aber alles „Schmarrn“, sagt die 77-Jährige. Allerdings werde sie aus Altersgründen irgendwann das Geschäft aufgeben müssen, weil es an einem Nachfolger mangele. „Aber auf keinen Fall noch in diesem Jahr.“ 
  • An den Gerüchten ist nichts dran“, sagt auch Henrike Mohrenstecher von der Drogerie Wilhelm Zimmermann, Limbecker Straße 13, seit 80 Jahren am Platz. Sogar im Sportverein und auf der Straße werde sie regelmäßig auf ihr berufliches Aus in Lütgendortmund angesprochen. Im Moment sei es wirklich extrem und das nerve sie, sagt die 38-Jährige, die seit nunmehr zehn Jahren an der Seite ihres Vater das Geschäft leitet. „Ich sehe hier im Ort viel Potenzial.“
  • Und ihr Vater Wilhelm Mohrenstecher versichert für das „Café Blickpunkt“, Limbecker Straße 17, das vor 28 Jahren eröffnet wurde: Es werde dort weiterhin Kaffee gekocht, Frühstück serviert, Bier gezapft und Kultur angeboten. „Das ist alles Dummquatscherei“, sagt Mohrenstecher zu den Gerüchten. Und weiter: „Man hat das Gefühl, dass Leerstände herbeigeredet werden.“ Was natürlich alles andere als förderlich fürs Geschäft und generell den Lütgendortmunder Einzelhandelsstandort sei.
  • Zudem haben wir telefonisch die Leitung des Centershops, Limbecker Straße 22-26, kontaktiert. Die Antwort: Eine Schließung der Lütgendortmunder Filiale sei nicht geplant. 
  • Für Uli Neidl, den Vorsitzenden des Vereins Aktiv im Ort, sind die klaren Bekenntnisse der Händler für Lütgendortmund gute Nachrichten. Durch den neuen Rewe an der Lütgendortmunder Straße erhoffe er sich einen weiteren positiven Impuls. Große Sorgen mache er sich indes um die vorhandenen Leerstände. Um Lösungen zu finden, schlägt Neidl die Erstellung eines Masterplans für die „Verkaufsader Limbecker Straße“ oder die Bildung eines Runden Tischs vor. 

Diese Geschäfte werden geschlossen: 

  • Uhren und Schmuck Kulp, Limbecker Straße 16, wird nach 30 Jahren am Ort Ende Februar 2017 schließen. Grund sei seine Altersteilzeit, sagt Inhaber Peter Kulp (63). Deshalb könne er nur seinen Betrieb “Optik Kulp“ in Bochum, Werner Hellweg 500, weiterführen. Auch die Mitarbeiter aus Lütgendortmund werde er dort teilweise weiterbeschäftigen.
  • Die Filiale der Deutschen Bank, Limbecker Straße 21, schließt zum 31. März 2017.