„Hänsel und Gretel“: Märchenzauber im Hexenwald

Oper Dortmund

Die Kinder verwöhnt das Theater Dortmund in dieser Saison: Drei Wochen nach dem Bilderbuchballett vom "Nussknacker" feierte am Sonntag Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel" in einer märchenhaften Inszenierung Premiere im Opernhaus.

DORTMUND

, 09.11.2015 / Lesedauer: 3 min
„Hänsel und Gretel“: Märchenzauber im Hexenwald

Hänsel (Ileana Mateescu) und Gretel (Julia Amos) entdecken das kleine Knusperhäuschen im Zauberwald. Es ist der Schornstein zum großen Hexenhaus.Stage Pictures /Anke Sundermeier

Dem jungen Regisseur Erik Petersen und der fantasievollen Bühnen- und Kostümbildnerin Tatjana Ivschina, die in Dortmund bereits Rossinis "Cenerentola" zauberhaft auf die Bühne gebracht haben, traut man eine große Karriere zu: In "Hänsel und Gretel" schütten sie ein Füllhorn an Märchenzauber auf der Bühne aus. Die Erwachsenen waren begeistert und die Kinder schauten zwei Stunden lang gebannt zu.

Ein großes Abenteuer

In einer Bretterbude mit Reisighaufen wohnt die Familie des Besenbinders. Aufgeweckte, vorwitzige Kinder (Julia Amos als Gretel und Ileana Mateescu als schön burschikoser Hänsel) sind das, die die Eltern zum Erdbeerpflücken in den Wald schicken.

Und das ist für die Kinder keine Strafe, sondern ein großes Abenteuer. Diese Kinder haben Spaß - selbst dann noch, wenn sie im Hexenhaus Rosina Leckermaul in die Falle laufen.

Gespenstischer Wald

Tatjana Ivschina holt in ihrer detailverliebten und fantasievollen Ausstattung alles aus der Bühnen-Trickkiste heraus, was Theater zauberhaft und faszinierend macht: Gespenstisch sieht der Wald auf der Lichtung aus, auf der die Geschwister Rast machen.

Tiere aus Moos pirschen sich heran und beim Hexenritt lernt die Hexe sogar fliegen. Ihr romantisches Gegenstück ist der Sandmann (Tamara Weimerich), der ein Leuchtkleid trägt, das jedem Krippenengel die Schau stiehlt und acht Glitzerengel mitbringt. Und die wachen, während Hänsel und Gretel in einer Hängemattenschaukel schlummern.

Und dem kessen Taumann fliegen am Morgen die Seifenblasen aus dem Röckchen. Das ist Oper à la Hollywood - märchenhaft schön.

Durch ein kleines Lebkuchen-Knusperhäuschen als Schornstein der Hexenvilla lockt Rosina Leckermaul die Geschwister in die Falle. Tenor Fritz Steinbacher spielt und singt die skurrile Hexe so komisch, dass vor ihr kein Kind Angst haben muss. Statt Hakennasen und Kopftuch trägt diese Hexe Abendrobe und kann mindestens so gut zaubern wie Harry Potter.

Das kann die Bühnentechnik im Opernhaus auch, wenn das Hexenhaus nach oben fährt und die Kinder in der Hexenküche im Keller landen. Aus allen Vorratsschränken kriechen später die Lebkuchenkinder (Opern-Kinderchor der Chorakademie).

Kinderlieder

Nah an den Kindern inszeniert Erik Petersen. Die Eltern (textverständlich und toll gesungen von Martina Dike und Sangmin Lee) suchen mit Laternen die Kinder zwischen den Zuschauerreihen.

Und im Graben spielen die Dortmunder Philharmoniker unter Leitung von Philipp Armbruster Humperdincks Musik, die Wagner-Format hat, aber mit vielen Kinderliedern auch Bekanntes bietet.

Termine: 15. / 20. 11., 5. / 12. /18. / 25./27./29. 12., 3. / 27. 1.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22.