Haftstrafe: Bochumer Spediteur zahlte schwarz

"Dumm und stur"

Ein 47-jähriger Speditionsunternehmer ist am Freitag am Bochumer Landgericht wegen hartnäckiger Schwarzlohnzahlungen und Steuerhinterziehung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte auf eine Bewährung gehofft - doch die kam nicht in Frage.

BOCHUM

28.07.2017, 14:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das war einfach nicht drin“, hieß es im Anschluss an die Urteilsbegründung an die Adresse des Angeklagten. Weil der Familienvater Wiederholungstäter war, kam eine Bewährungschance nicht in Frage. Der 47-Jährige wirkte sichtlich genickt. Er hatte scheinbar ernsthaft auf eine „letzte Chance“ in Form einer weiteren Bewährungsstrafe gehofft. Doch auch sein Verteidiger Jens Tuschhoff gestand am Ende ein: „Das Urteil ist der Höhe nach leider absolut vertretbar.“

Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Sozialversicherungsbetrug: Den Strich durch die Rechnung gemacht, hatte dem Ex-Unternehmer aus Recklinghausen vor allem seine kriminelle Vergangenheit und hier insbesondere seine einschlägige Vorstrafe. Obwohl er durch eine Verurteilung des Schöffengerichts Bochum vom 21. Februar 2014 (zwei Jahre Haft auf Bewährung, 5400 Euro Geldstrafe plus fünf Jahre GmbH-Geschäftsführer-Verbot) hätte gewarnt sein müssen, hatte der Unternehmer einfach dreist weiter gemacht:

Seine Mitarbeiter wurden weiterhin fast nie zur Sozialversicherung angemeldet, obendrein steckte der Unternehmer beim Thema Steuern den Kopf in den Sand, gab im gesamten Jahr 2015 keine Umsatzsteuererklärungen ab. Als Gesamtschaden stellten die Richter 107.000 Euro Sozialversicherungsbeiträge plus 153.000 Euro vorenthaltene Umsatzsteuer fest.

Schonungslos ehrlich

Das Geständnis des früheren Firmenbosses im Prozess war schonungslos ehrlich. „Ich will hier nichts schönreden. Ich kann mich selbst schon nicht mehr als Esel, sondern muss mich als Maulesel bezeichnen, der wirklich dumm und stur gewesen ist“, hatte der 47-jährige Familienvater erklärt. Ende März 2016 war der Speditionsunternehmer für zehn Tage in Untersuchungs-Haft gelandet. Im Anschluss daran wechselte er in ein Angestellten-Verhältnis bei einem befreundeten Spediteur. „Seitdem ist wirklich alles schön. Am Ersten kommt der Lohn, ich weiß endlich, was Freizeit, was Familie und was Arbeit ist“, zeigte sich der 47-Jährige über den Wechsel aus der Selbständigkeit erleichtert.

Um seinen neuen Angestellten-Job eventuell doch noch behalten zu können, kann der Familienvaters jetzt nur hoffen, nach Antritt der Haftstrafe möglichst schnell in den so genannten offenen Vollzug verlegt zu werden. Das hieße nämlich: Er könnte tagsüber arbeiten und müsste nur zum Schlafen in die Gefängniszelle.