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Luxusträume an die Wand gemalt

Haltern Die Rolle der Bankiersfrau Cäcilia schrieb sich Marianne Gorissen auf den Leib.

23.11.2007

Sie spielte sie in den vergangenen drei Monaten 71 Mal, zusätzlich an acht Sonntagen. Am neunten Sonntag, also morgen, haben Cäcilias Luxus und ihre Dekadenz ein Ende. So wie auch die Ausstellung zu Ende geht.

Dieser theatralische Auftritt ist ihre Art, den Besuchern im Römermuseum das ausschweifende Leben am Golf von Neapel näher zu bringen. Marianne Gorissen aus Münster ist eine Verwandlungskünstlerin. Eben noch die Althistorikerin und Museumspädagogin, jetzt die von unersättlicher Gier getriebene fein gewandete Cäcilia. Die Protagonistin ist frei erfunden und könnte doch ein Teil der dekadenten römischen Gesellschaft gewesen sein.

Feine Gesellschaft

Ihr Vater, ein einfacher Steinschneider, vermittelt die in Herculaneum aufgewachsene Tochter an den reichen Bankier Lucius Iucundus Caecilius aus Pompeji. Der ist 20 Jahre älter, dick, hat Plattfüße und keine Zähne. Von allen Männern der Welt der hässlichste. Aber fortan ist Cäcilia eine angesehene Frau mit Sklaven und Geld. So lernt sie prachtvolle Villen kennen: "Die Götter auf dem Olymp konnten nicht schöner wohnen." Sie selbst lebt in einem vergleichsweise "schäbigen" Haus, in dem sie sich ihre Träume an die Wände malen lässt. Aber immerhin in ägyptisch blau, der teuersten Farbe. Und sie leistet sich kostspielige Accessoires nach dem Motto "Hauptsache griechisch, Hauptsache schön."

  Es gibt allerdings einen dunklen Fleck in der Familiengeschichte. Der Schwiegervater Cäcilias war ein freigelassener Sklave. Trotz des wirtschaftlichen Erfolges werden sie und ihr Mann deshalb niemals richtig zur feinen Gesellschaft gehören.

Frivole Absicht

Cäcilia lässt in ihrer Einfältigkeit dennoch nichts unversucht, den Reichen nachzueifern. In Selbstüberschätzung und frivoler Absicht folgt die Matrone und Mutter von drei Töchtern der Einladung eines vermögenden, jüngeren Mannes. Die Begegnung endet im Bad und dort eiskalt ernüchternd. Marianne Gorissen erfand in drei Wochen eine Geschichte, die sich - die Klaviatur der Gefühle perfekt beherrschend - an den kostbaren Exponaten entlang entwickelt und dabei tiefe Einblicke nicht nur in das Luxusleben, sondern auch in die gesellschaftliche Ordnung gibt.

Luxus braucht Bewunderer und Mitwisser: Wer bislang die Ausstellung versäumt hat, sollte sich sputen. Cäcilia wartet ein letztes Mal auf Sie: Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr. Elisabeth Schrief

  

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