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Nur nicht überheblich sein

Haltern Über die neuen, wohltätigen Bürger Potsdams schrieb unlängst "Der Spiegel" und nannte Dr. Hermann Kremer in einem Atemzug mit Günther Jauch.

02.11.2007

Der "leise, weißhaarige Mann" gehöre zu den interessanten Menschen, die das intellektuelle Klima in der Stadt prägten, schreibt Alexander Osang in der 40. Ausgabe des Spiegels. Wir sprachen mit Dr. Hermann Kremer über seine Begegnungen in Potsdam und sein Engagement.

Der Artikel im Spiegel ist überschrieben: "Die Stadt der guten Täter". Fühlen Sie sich tatsächlich als "guter Täter"?

Dr. Hermann Kremer: Das ist eine komische Überschrift. Niemandem liegt daran, sich als guten Menschen darzustellen oder Eitelkeit und Überheblichkeit zu zeigen. Diese Einstellung wäre auch völlig falsch. Schon zu DDR-Zeiten haben sich Denkmalpfleger um den Erhalt alter Bausubstanz bemüht. Sie wurden nicht gewürdigt, waren folglich frustriert. Viele aus dem Westen haben dieses Bemühen nach 40 Jahren DDR nicht gesehen, sondern nur die alten grauen Häuser wahrgenommen.

Was bedeutet es für Sie, wie Günther Jauch, Modedesigner Wolfgang Joop, Springer-Chef Mathias Döpfner oder Wella-Erbe Hans-Joachim Sander als neues Potsdamer Bürgertum bezeichnet zu werden?

Dr. Kremer: Die Liebe zur Denkmalpflege ist uns gemein. Das ist entscheidend. Vor ein paar Wochen war ich mit Döpfner und Sander bei Günther Jauch eingeladen. Es war sehr nett, wir haben draußen am Heiligen See gesessen, über Denkmalpflege, aber auch sehr privat geredet. Sie alle hatten viel mehr Probleme mit dem Denkmalamt als ich. Für mich ist bei diesen Kontakten auch wichtig, für die Alexandrowka zu werben, die mittlerweile 10 000 Besucher im Jahr zählt. Interessant ist natürlich schon, dass Günther Jauch sein Engagement für Potsdam ebenfalls als ein persönliches Anliegen und nicht als lohnendes Geschäft betrachtet. Er hat mehrere Millionen Euro für Baudenkmäler gespendet und fast zwei Dutzend heruntergekommene Mietshäuser in Potsdam gekauft und hergerichtet. Um die fachgerechte Sanierung kümmert er sich selbst. Das imponiert mir.

Wird Potsdam einmal ihr Lebensmittelpunkt sein?

Dr. Kemer: Nein, ich bleibe in Haltern. Hier habe ich meine Freunde und meine Feinde, beide brauche ich.

Warum tun Sie so viel für die Denkmalpflege im Osten der Republik?

Dr. Kremer: Das Interesse speziell für Brandenburg stellte sich bei einem Besuch nach der Wende spontan ein. Es ist sicher etwas Romantisches dabei. Meine Denkmalpflege ist ein Ausdruck meines Interesses für das Ganze, für die Landschaft, die Kultur, die Lebensart und die interessanten Personen der letzten 400 Jahre. Alte Bauwerke erscheinen mir wie lebende Wesen mit Vergangenheit und Zukunft. Wenn sie in Not geraten, können sie meine Passion, mein Mitleid, wecken.

Welche Einstellung leitet Sie bei Ihrem Tun?

Dr. Kremer: Jede Generation muss sich entscheiden, welches Kulturgut sie erhalten will und welches sie für immer preisgibt. Wir haben diese Verantwortung gegenüber der Vergangenheit und der Zukunft, ob wir das wollen oder nicht. Ohne Vergangenheit keine Zukunft. Wir können nur gute Pläne machen, wenn wir gute Vorbilder haben.

Fragen: Elisabeth Schrief

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