Hamburger SV buhlt um Christian Hochstätter

Fußball: Bundesliga

Ein Geheimnis ist es längst nicht mehr: Bundesligist Hamburger SV hat reges Interesse daran, den Sportvorstand des VfL Bochum, Christian Hochstätter, an die Elbe zu locken. Am Wochenende, so wurde bekannt, nahm der Tabellenletzte Kontakt zu dem 53-Jährigen auf, der sofort den VfL darüber informierte.

BOCHUM/HAMBURG

, 07.11.2016, 13:08 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hamburger SV buhlt um Christian Hochstätter

Bochums Christian Hochstätter soll der Favorit auf den Posten des Sportdirektors beim HSV sein.

„So gehört es sich unter ordentlichen Kauf- und Sportsleuten“, sagte Hans-Peter Villis im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Zweitligisten erklärte gelassen: „Es gibt sicher keine Aufforderung von uns an Christian Hochstätter, auch wirklich ernst zu verhandeln, aber wir wollen auch nicht verbieten, mit dem Hamburger SV zu sprechen. Alles ist ein normaler Vorgang, alles läuft derzeit völlig sauber ab.“

Ganz oben auf der Wunschliste

Die Norddeutschen taumeln gerade reichlich orientierungslos durch die Liga, Dietmar Beiersdorf, der Vorstandsvorsitzende, scheint völlig überfordert. Nun steht Christian Hochstätter ganz oben auf der Wunschliste. Villis betonte, bisher liege ihm allerdings kein formales Angebot vom HSV vor.

Erst vor wenigen Wochen ist der Vertrag mit Christian Hochstätter bis 2020 verlängert worden. Der Vertrauensbeweis kam nicht überraschend, der 53-Jährige hat beim VfL bisher saubere Arbeit geleistet und sich einen ausgezeichneten Ruf erworben. Sicher auch deshalb hält sich Hans-Peter Villis betont bedeckt. „Wir haben die DNA des VfL Bochum in den letzten Jahren genau definiert, und sie ist auch mit dem Namen Christian Hochstätter verbunden.“ 

Keine Ausstiegsklausel

Und deshalb betont auch Hans-Peter Villis: „Der Verein VfL Bochum ist gerade in einem ruhigen Fahrwasser. Wir brauchen Kontinuität und Verlässlichkeit, und da wechselt man nicht so schnell und gern die Pferde.“ Christian Hochstätters Vertrag beim VfL hat übrigens keine Ausstiegsklausel. Der Hamburger SV müsste sicher ganz schön tief in die Tasche greifen, wenn es tatsächlich zu einem Wechsel kommen würde.

 

Ursprüngliche Meldung von 13.08 Uhr:

Der Hamburger SV, Tabellen-Schlusslicht in der Fußball-Bundesliga, will in den kommenden Tagen einen Sportdirektor präsentieren. Bochums Christian Hochstätter soll der Favorit sein. Der HSV hat bereits Kontakt zu Hochstätter aufgenommen. Dies bestätige Bochums Aufsichtsrat-Chef Hans-Peter Villis gegenüber dieser Redaktion.

Bochums Christian Hochstätter soll der neue Favorit auf den Posten des Sportdirektors beim Hamburger SV sein. Gegenüber dieser Redaktion bestätigte Hans-Peter Villis, Aufsichtsrats-Vorsizender des VfL Bochum, dass der HSV Kontakt zu Christian Hochstätter aufgenommen hat. Gleichzeitig sagt er: "Der VfL Bochum braucht Kontinuität und Verlässlichkeit. Wir sind gerade in einem ruhigeren Fahrwasser - und da wechselt man nicht gerne die Pferde." Beim VfL hat Hochstätter noch einen Vertrag bis 2020. Eine Verpflichtung würde den HSV Geld kosten. 

Beiersdorfer schließt Rücktritt aus

Dietmar Beiersdorfer sind die Zügel entglitten. Der schon lange als Zauderer bekannte Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV rückt nach dem HSV-Absturz ans Tabellenende der Fußball-Bundesliga immer mehr in das Zentrum der Kritik. Ein Rücktritt kommt für den 52-Jährigen dennoch nicht in Frage: „Es geht nicht um mich, sondern nur um den HSV. Wir haben verschiedene Gespräche geführt und einen sorgfältig geplanten Prozess eingeleitet“, sagte Beiersdorfer zur Suche des Nachfolgers für den im Mai geschassten Peter Knäbel.

Der Franke investierte seit seiner Rückkehr zum HSV im Sommer 2014 rund 90 Millionen Euro in neue Spieler. Er entließ zwei Sportchefs und drei Trainer - besser geworden ist dadurch nichts: Erneut droht der erstmalige Abstieg. Die Doppelfunktion im Vorstand und als Sportchef war keine gute Idee. Während sich ein sportlicher Leiter in der jetzigen Lage täglich um die verunsicherte Mannschaft und Neu-Trainer Markus Gisdol kümmern sollte, ist Beiersdorfer auf Personalsuche.

Hoogma wettert gegen Beiersdorfer

Und Beiersdorfer verzettelt sich. Zwischen Repräsentationsterminen wie einer Feier zu Uwe Seelers 80. Geburtstag telefonierte er mit Nico-Jan Hoogma - heraus kam ein ärgerliches Missverständnis. Der Niederländer kritisierte den HSV-Boss danach scharf: „Nicht Beiersdorfer hat mir abgesagt, sondern ich dem HSV. Ich habe mich auch nicht angeboten, der Verein hat mich angerufen und zum Gespräch eingeladen. Wenn ich lese, dass Beiersdorfer alles umdreht, dann ist das nicht gut“, sagte Hoogma dem Internetportal Sport1.

Der Ex-Kapitän des Fußball-Bundesligisten sei „sehr enttäuscht von Beiersdorfer, auch über die Art und Weise, wie das abgelaufen ist. So geht man nicht mit einem Menschen um.“ Beiersdorfer bestand nach dem 2:5 gegen Borussia Dortmund darauf, dass er abgesagt habe. Der 48 Jahre alte Sportchef des niederländischen Erstligisten Heracles Almelo beklagte auch den Verlauf der Gespräche.

Horst Heldt scheidet wohl aus

„Da war kein Vertrauen da und ich habe mich zurückgezogen“, klagte Hoogma. Und ergänzte: „Das tut schon weh, auch wenn wir keine Freunde waren. Als ich beim HSV spielte, war Didi Sportdirektor und wir hatten da ein ganz normales Spieler-Sportchef-Verhältnis. Es ist einfach nur traurig.“ Auch Horst Heldt scheidet wohl aus: Nach Informationen der „Sport Bild“ sollen sich Beiersdorfer und der frühere Schalke-Manager in einem Telefonat darüber verständigt haben.

Der neue Mann soll im Winter mit frischen Millionen von Klaus-Michael Kühne neue Spieler einkaufen - der Heilsbringer kann er nicht sein. Das Problem des seit Jahren dahindümpelnden HSV bleibt die katastrophale Führung, die auch den Profis immer wieder ein Alibi gibt.

Seeler macht sich Sorgen

So fürchtet Uwe Seeler sogar, dass sich sein HSV nach einem Abstieg in der zweiten Liga nicht konsolidieren würde, sondern für Jahre in der Versenkung verschwinden könnte. „Ich denke, den HSV würde eher das Schicksal von Kaiserslautern, 1860 München und Düsseldorf ereilen, die sich vom Abstieg seit Jahren nicht mehr erholt haben und schon lange nicht mehr zu den Aufstiegsanwärtern zählen“, sagte der 80-Jährige der „Bild“-Zeitung (Montag). Deshalb dürfe dieser Fall nicht eintreten. „Das würde nicht nur dem Verein, sondern der ganzen Stadt schaden“, fürchtet der DFB-Ehrenspielführer. 

Mit Material von dpa

 

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