"Hamlet": Drei Stunden Geisterstunde mit Shakespeare

Theater Oberhausen

Um Mitternacht erscheint der Geist von Hamlets ermordetem Vater und fordert den Sohn zur Rache auf. In der Inszenierung der Shakespeare-Tragödie durch den jungen Pedro Martins Beja, die am Theater Oberhausen herausgekommen ist, währt diese Geisterstunde allerdings so lange wie die ganze Aufführung.

OBERHAUSEN

, 02.03.2015, 13:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Hamlet": Drei Stunden Geisterstunde mit Shakespeare

Eike Weinreich als Hamlet

Drei Stunden dauert "Hamlet" im Theater Oberhausen. Die Zeit ist aus den Fugen, das Shakespeare-Zitat ist auf Englisch am unteren Rand der Rampe zu lesen. Die Nacht-und-Nebel-Bühne von Volker Hintermeier dominiert eine große Kugel, die halb Erdglobus, halb Totenschädel ist. Und oben steckt ein Schwert.

Düster und skeptisch

Des Schlachtens ist kein Ende, zumal in der gewählten düster-skeptischen Übersetzung von Heiner Müller. Das Regiment über das gespensterhafte Schauspielerensemble führt der als personifizierter Tod daherkommende Totengräber. Eine Paraderolle für Jürgen Sarkiss, der seine Opfer auch schon mal im Publikum sichtet und mit einem Band Maß nimmt.

Eike Weinreich als Hamlet ist nicht der grüblerische Zweifler, als den man den Prinzen kennt, sondern ein schnoddriger, kumpelhafter Typ. Mit Wut im Bauch, aber ohne Plan, spricht er seine großen Monologe eher beiläufig und weiß nicht so recht, wie er handeln soll.

Hamlet senior als Hitler

Im drastisch präsentierten Spiel im Spiel, das den Onkel als Mörder überführen soll, tritt Hamlet senior als Hitler auf (auch hier ist Sarkiss in seinem Element), zudem fallen aktualisierend Schlagworte wie Islamismus und Terrorismus. Zuletzt macht sich auf der Bühne allgemeiner Wahnsinn breit, wobei die Sprechstimmen in der verstörend verfremdeten Einspielung eines Lieds aus Schuberts „Winterreise“ untergehen.

Termine: 6. /14. /15. / 20.3., 15. / 19.4., 20.5.; Karten: Tel. (0208) 857 81 84.