Handfestes Wahlprogramm statt Punk-Parolen

Oberbürgermeisterwahl

Regelmäßige Überprüfung von Verboten, mehr Diskussionen und Bürgerbeteiligung, größere Transparenz - wer dachte, dass Wolfgang Wendland seine Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt scherzhaft meint, dürfte überrascht sein. Denn der Sänger der PunkBand "Die Kassierer" legte nun ein seriöses Wahlprogramm vor.

BOCHUM

, 21.04.2015, 15:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wolfgang Wendland will in Bochum in eine neue Richtung lenken.

Wolfgang Wendland will in Bochum in eine neue Richtung lenken.

Es sei die erste Pressekonferenz in seinem Leben, sagt Wolfgang Wendland. Obwohl der 52-Jährige seit Jahrzehnten als Sänger der Punk-Band „Die Kassierer“ über die Bühnen rennt und sich dabei auch häufig genug gar nicht scheu entblößt, ist ihm die Nervosität an diesem Tag anzumerken: Wendland will Oberbürgermeister werden – und stellt sein Programm vor, mit dem er bis zum 13. September die Bochumer Wähler von sich überzeugt haben will.

„Ich meine das ernst, daher ist das Programm auch ernst geworden“, sagt er. Und so steckt auch selbst in der flapsigsten Bemerkung ein ernster Unterton: „Thomas Eiskirch ist ein sehr motivierender Mann“, sagt Wendland über den SPD-Kandidaten und teilt gleich im nächsten Satz aus: „Eiskirch hat mich motiviert, weil ich Angst habe, er könne Oberbürgermeister werden.“

Diese Angst ist darin begründet, dass Wendland nichts Geringeres will als einen Bruch mit bisherigen politischen Traditionen in Bochum. Dazu zählt für ihn vor allem ein Mehr an Transparenz. Eine Broschüre zu Bochums größten Fehlinvestitionen schwebt ihm beispielsweise vor.

Nicht ausreichend informiert

Das klingt populistisch, doch Wendland erklärt, dass er sich als Bürger nicht ausreichend informiert fühlt über Kosten der Fremdwährungskredite, des Cross-Border-Leasings und viele andere Projekte der Stadt. „Aber eine sachliche Darstellung der Kosten ist wichtig für einen Neuanfang“, sagt er.

Mit seiner Transparenzoffensive will Wendland ein neues Vertrauen der Bürger in die Politik schaffen - und zugleich politische Prozesse durch Einrichtungen wie das Rats-TV für alle nachvollziehbar machen.

Zehn zentrale Punkte umfasst sein Wahlprogramm und nicht alle können die Punk-Attitüde Wendlands verhehlen. So fordert der Politiker, der einst für die Linkspartei in die Bezirksvertretung Wattenscheid einzog, mehr Freiheiten für Straßenmusikanten und eine dynamische Überprüfung von Verboten, wie dem Glasverbot.

Pläne für die Zeit nach Starlight Express

Doch obwohl er sich an dieser Stelle einen ironischen Seitenhieb auf die Landesregierung nicht verkneifen kann („Die Erziehungsträume von Barbara Steffens und Hannelore Kraft sind für mich kein Grund, nachts die Mitarbeiter des Ordnungsamtes vor die Türe zu jagen“), bleibt sein Programm weitestgehend seriös.

Auch im Punkt der Wirtschaft merkt man, dass Wendland vielleicht nicht über eine kenntnisreiche Expertise verfügt, aber dennoch von einer kritischen Neugier getrieben über die momentane Situation Bochums nachdenkt: „Wir brauchen ein zweites Standbein zu Starlight Express“, sagt Wendland mit Blick auf die Übernachtungszahlen in der Stadt.

Diese könnten nur dann dauerhaft gehalten werden, wenn man Pläne für eine Zeit nach der Schließung des Musicals entwickle. Denn die sei trotz der Erfolgsgeschichte des Musicals irgendwann unausweichlich.

Nur eine Wahlperiode

Ob er sich selbst Chancen ausrechnet, am 13. September gewählt zu werden, darauf will sich Wendland nicht festlegen lassen. Klar ist jedoch, dass er – sollte er gewählt werden – nur für eine Wahlperiode zur Verfügung steht: „Entweder ein Neuanfang klappt in fünf Jahren Amtszeit oder nicht“, sagt er.

Er wolle die Stadt voranbringen, der Posten des Oberbürgermeisters als solcher interessiere ihn nicht. Und ohnehin wolle er in seinem Leben noch einen Spielfilm drehen. „Und das sollte man noch unter 60 gemacht haben“, stellt der 52-Jährige fest