Hans-Christian Schmids "Was bleibt" könnte auch einen Bären bekommen

Berlinale: Ehrenbär für Meryl Streep

Halbzeit im Berlinale-Wettbewerb: die Suche nach dem Favoriten geht weiter. Hans-Christian Schmid zeigt seine Familiengeschichte "Was bleibt". Und Meryl Streep bekommt den Ehrenbären.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 14.02.2012, 12:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was bisher geschah: Isabelle Huppert ist in den Dschungel entführt worden (in Brillante Mendozas Drama „Captive“). Eine Gruppe von Häftlingen hat Shakespeares „Julius Caesar“ als Knasttheater aufgeführt (im dokumentarischen Film „Caesar must die“ der italienischen Regie-Brüder Taviani).Und Bily Bob Thornton ist in die Südstaaten im Jahr 1969 zurückgereist, um über Vater-Sohn-Konflikte und den Vietnamkrieg zu erzählen (in „Jane Mansfield’s Car“). Jetzt ist Halbzeit im Wettbewerb der Berlinale, aber ein klarer Favorit für den Goldenen Bären konnte bislang nicht ausgemacht werden. In diversen Kritikerumfragen liegt Christian Petzolds DDR-Drama „Babara“ mit der fantastischen Nina Hoss vorn. Die ist allerdings schon 2007 für Petzolds „Yella“ mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin geehrt worden. Vielleicht verliebt sich die Jury in einen anderen deutschen Film: Hans-Christian Schmids „Was bleibt“. Grund hätte sie, auch wenn der Applaus etwas verhalten ausfiel. Die in Herten gedrehte Familiengeschichte ist ungeheuer feinnervig erzählt und von tollen Schauspielern getragen. Lars Eidinger, Ensemblestar an der Berliner Schaubühne, spielt den jungen Schrifsteller Marko, der für ein Wochenende nach Hause zu den Eltern fährt.Alt-68er mit Bungalow In ein typisch westdeutsches Milieu wohlhabender Alt-68er mit Bungalow und Renault 4 vor der Tür. Der Vater (Ernst Stötzner) hat seinen Verlag verkauft, die Mutter (Corinna Harfouch) setzt nach 30 Jahren die Tabletten gegen ihre Depressionen ab – was zu gewissen Spannungen führt. Die Konflikte liegen alle offen zutage: Marko lebt inzwischen von der Mutter seines Kindes getrennt, Bruder (Sebastian Zimmler) droht mit seiner Zahnarztpraxis pleite zu gehen. Probleme müssen nicht unter den Teppich gekehrt werden, um Beulen zu verursachen.Harmonie mit Dissonanzen Mit großer Subtilität erzählt Schmid, wie das Familiengefüge auf die Probe gestellt wird. In einer der schönsten Szenen singen alle gemeinsam Aznavours „Du lässt dich gehn“– ein Bild wie aus glücklicheren Tagen, eine Harmonie mit Dissonanzen. Meryl Streep hat ihren Bären sicher. Die 62-Jährige kam zur Galavorstellung ihres Films „Die eiserne Lady“ und bekam den Ehrenbären. 

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