"Haus am See" uraufgeführt

Bochumer Kammerspiele

BOCHUM Der Zuschauer ahnt es schon, wenn er beim Betreten der Kammerspiele den Mann sieht, der Erde aus einem Loch gräbt: Hier schaufelt einer sein eigenes Grab. So kommt es auch am Ende von "Haus am See", das der Schweizer Reto Finger für das Schauspielhaus Bochum schrieb und das Intendant Anselm Weber zur Uraufführung brachte. Komödie, Krimi, Psychodrama, es ist alles drin in diesem Stück über dieses merkwürdige Geflecht, das sich Familie nennt.

von Von Ronny von Wangeheim

, 08.05.2011, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Familie (v.l.): Nicola Mastroberardino, Anke Zillich, Matthias Redlhammer und Katharina Linder.

Eine Familie (v.l.): Nicola Mastroberardino, Anke Zillich, Matthias Redlhammer und Katharina Linder.

Ein Neuanfang soll es sein, den Robert Keller mit einem Familienfest feiern will. Endlich hat er das Elternhaus am See zurück gekauft, aus dem seine Eltern irgendwann verschwanden. Doch hier wurden einst die Rollen festgelegt, die die drei Brüder auch Jahrzehnte später nicht aufbrechen können. Robert (Matthias Redlhammer) ist der Erfolgsmensch, großkotzig, nur an sich selbst interessiert, der weiß, wo er die Hebel ansetzen muss. Damit Bruder Max (Michael Schütz), der zudem noch sein Angestellter ist, sich klein und machtlos fühlt.Schwarze Schaf Damit Michael (Nicola Mastroberardino), das schwarze Schaf, das Gefühl nicht los wird, schuld zu sein am Verschwinden der Eltern. Und so wird am langen Tisch nicht nur gegessen und noch mehr getrunken, sondern auch geküsst, gespöttelt, gedemütigt, alte Geschichten aufgewärmt.Thema Schuld

Schuld - es ist Reto Fingers zentrales Thema. Vera (Friederike Becht), dieses seltsame Mädchen, das vieles weiß, stellt sich am Ende als Roberts Tochter heraus. Sie wirkt wie ein Katalysator, stört alle auf, treibt Robert dazu, sich seiner Schuld zu stellen. Dass er deshalb am Ende tatsächlich sterbend in der Grube landet, schwächt den starken Eindruck ab, den der Abend bis dahin machte.Großartige Leistung

Wenn Stück und Inszenierung Schwächen haben, dann hier. Da fehlt der leichte Ton, das psychologische Spiel, das vieles offen lässt. Das ändert nichts an der großartigen Leistung der sechs Schauspieler, zu denen auch Anke Zillich und Katharina Linder zählen. So gab es am Ende verdient großen Beifall für Ensemble, Regisseur und den Autor.Termine: 11./18./28.5.; Karten: Tel. (02 34) 33 33 55 55.

 

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