Hausaufgaben für Eltern

ANNEN Seit über sieben Jahren kümmert sich Annette Legewie-Söhngen um die Probleme der Schülerinnen und Schüler der Holzkamp Gesamtschule (HKGE) - vermittelt zwischen Lehrern, Eltern und Jugendlichen, organisiert Kurse zu Sozialtraining und Gewaltpräventionen. Über ihre Aufgabe an der Schule und den Erfolg der Elternkurse sprach RN-Mitarbeiterin Julia Reidegeld mit der Sozialpädagogin.

von Von Julia Reidegeld

, 29.08.2007, 07:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Damit es in der Familie harmonisch klappt, werden Elternkurse angeboten, in denen der richtige Umgang mit Kindern vermittelt wird.

Damit es in der Familie harmonisch klappt, werden Elternkurse angeboten, in denen der richtige Umgang mit Kindern vermittelt wird.

Weshalb werden Sie von Schülern kontaktiert? Legewie-Söhngen : Das können unterschiedliche Probleme sein. Manche Schüler haben Konflikte mit Lehrern, wo ich dann vermittle. Aber auch familiäre Angelegenheiten werden hier in der Schule an mich herangetragen.

Welche Probleme können die Eltern haben? Legewie-Söhngen : Die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit macht vielen Eltern zu schaffen. Sie haben Schwierigkeiten, sich mit Problemen der Kinder auseinander zusetzen. Eltern müssen stark und konsequent sein. Strafen wie drei Monate Stubenarrest bringen da gar nichts. Die Lebensbedingung der letzten 20 Jahre haben sich stark geändert. Viele Eltern suchen Rat.

Welche Möglichkeiten gibt es? Legewie-Söhngen : Seit vier Jahren bietet die Schule mit der pro-familia-Referentin Martina Niemann Elternkurse an. Die dienen dazu, dass Eltern ihre Erziehung reflektieren, gemeinsam mit anderen Eltern zu diskutieren und Lösungen zu finden.

Wie sieht das im Einzelnen aus? Legewie-Söhngen : Die Eltern bekommen wöchentliche Hausaufgaben, bei denen sie zu Hause gucken, wie ihr Kind in einer bestimmten Situation reagiert. In Rollenspielen erkennen sie, in welcher Situation ihr Kind sein kann. In einem speziellen Fall kam eine 16-jährige Schülerin zu mir und berichtete von ihrem Vater, der sie immer nur kritisierte. Nachdem die Eltern den Kurs bei Frau Niemann besucht hatten, kam die Schülerin wieder zu mir und erzählte weinend, dass ihr Vater sie zum ersten Mal gelobt habe.

Der Kurs bringt also etwas? Legewie-Söhngen : Diejenigen, die den Kurs besuchen, haben Erfolg. Es gelingt natürlich nicht immer, dass Eltern überhaupt den Kurs besuchen. Aber in diesem Jahr haben wir eine besondere Situation - und zwar haben wir präventiv allen Eltern der Fünftklässler den Kurs ans Herz gelegt und die Nachfrage war groß. Da wir in NRW mit als Einzige kontinuierlich seit vier Jahren dieses Angebot haben, wird der nächste Kurs von der Uni Hamburg auf seine Wirksamkeit geprüft. Mit Hilfe von Interviews mit Kindern und Eltern werden die Entwicklungsprozesse ausgearbeitet.