Hebamme rät: Kinder erst nach Ostern zeugen

Mangel an Geburtshelferinnen

Christine Niersmann postet einen Aufruf bei Facebook: Sie appelliert an Paare mit Kinderwunsch, über Ostern zu verhüten, damit das Baby nicht an Weihnachten oder Silvester zur Welt kommt. Der Grund ist der Mangel an Hebammen, der zu dieser Zeit besonders problematisch ist.

KERKEN

13.04.2017, 16:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
So viele Babys wie seit 13 Jahren nicht mehr. Doch der Anstieg der Geburtenzahl in NRW beseitigt keineswegs die demografischen Probleme unserer Gesellschaft.

So viele Babys wie seit 13 Jahren nicht mehr. Doch der Anstieg der Geburtenzahl in NRW beseitigt keineswegs die demografischen Probleme unserer Gesellschaft.

Mit einem Geburtstipp kurz vor Ostern hat eine Hebamme aus Nordrhein-Westfalen online viel Aufmerksamkeit gefunden. Wer sich ein Kind wünsche, solle über die Feiertage trotzdem noch verhüten, rät die Geburtshelferin aus Kerken an der niederländischen Grenze auf ihrer Facebook-Seite. Sonst käme das Baby in der Weihnachtszeit zur Welt - und da sei es noch viel schwieriger als ohnehin schon, eine betreuende Hebamme zu finden.

 

Mit dem Posting, das zahlreiche Medien aufgriffen, will Christine Niersmann auf den Hebammenmangel in Deutschland aufmerksam machen. Eine in Vollzeit arbeitende Hebamme betreut nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands pro Jahr rund 100 Geburten; in Großbritannien und Norwegen sind es nur rund 30. Niersmann zufolge laufen in deutschen Kreißsälen oft drei bis vier Geburten gleichzeitig. Eine Kollegin habe jüngst sogar acht Geburten parallel betreuen müssen. „Die Hebammen sind so fertig, sie können keiner Frau richtig genügen“, sagte Niersmann am Donnerstag am Telefon.

Kreißsäle an Weihnachten und Silvester nur notdürftig besetzt

An Weihnachten dränge das Problem besonders: Viele Geburtshelferinnen bräuchten dann Zeit für die eigene Familie, die meisten Kreißsäle seien nur notdürftig besetzt. „Es geht nicht um mehr Freizeit für die Hebammen. Es ist ein Hilferuf“, erklärte Niersmann. 

Von dpa