"Heimliches Staatstheater"

BOCHUM Ein Gremium aus zehn Kunst- und Kulturexperten hat am Mittwoch der Düsseldorfer Landesregierung ihren Bericht mit Ideen zur Kulturförderung in NRW vorgestellt. Einer der Vorschläge: Die Bühnen der Städte Köln und Essen sollen zu Staatstheatern aufgewertet werden. Was haben Köln und Essen, was Bochum nicht hat?

von Von Kirsten Menzel / ddp / dpa

, 25.06.2008, 18:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Schalla, Zadek, Peymann, Hartmann: Das Schauspielhaus Bochum kann auf erfolgreiche Zeiten zurückblicken. Gegenwärtig wird die Bedeutung des Theaters von auswärtigen Experten jedoch nicht als überragend eingeschätzt.

Schalla, Zadek, Peymann, Hartmann: Das Schauspielhaus Bochum kann auf erfolgreiche Zeiten zurückblicken. Gegenwärtig wird die Bedeutung des Theaters von auswärtigen Experten jedoch nicht als überragend eingeschätzt.

"Wir werden in den Rankings der Kritiker zur Zeit nicht getätschelt. Aber wenn man eine Staatstheaternominierung machen will, gehört Bochum zwingend dazu", sagte Kulturdezernent Michael Townsend über das Schauspielhaus.

Denn man müsse die Bedeutung eines Theaters über ein längeres zeitliches Kontinuum sehen: "Bochum war immer heimliches Staatstheater und eins der wichtigsten deutschsprachigen Theater der Nachkriegszeit", findet Townsend. Das "Kurzzeithoch" der anderen Städte könne man nicht in Relation setzen mit dem Stellenwert von Bochum in der Theaterhistorie.Feuilletons nicht überzeugt

Während die Intendanz Goerden die Feuilletons nicht überzeugen konnte, seien die Besucherzahlen bedeutend: Über 200 000 Besucher gehen jährlich ins Bochumer Theater, doppelt so viele wie in Essen. "Auf lange Sicht sind wir das Theater Nummer 1 in NRW und diesen Status werden wir nicht abgeben", versicherte der Kulturdezernent, der Goerdens künstlerisches Verdienst nicht in Frage stellen will.

"Die Entscheidung ist nicht personenbezogen, es geht nicht um einzelne Intendanten", sagte Frank Baumbauer von der Expertenkommission. Der Intendant der Münchener Kammerspiele bemerkte: "Bochum ist immer eine tolle Theateradresse." _ Allerdings wohl nur eine unter vielen. Die Kommission schlägt vor, dass alle kommunalen Theater stärker finanziell vom Land gefördert werden.Stadttheater im besten Sinne

"Wir sind stolz darauf, ein Stadttheater im besten Sinne für die Stadt Bochum und die Region darüber hinaus zu sein", kommentierte der Chefdramaturg des Schauspielhauses Holger Weimar die Expertenempfehlung.

Die Vorschläge der Experten werden nun von der Landesregierung geprüft, die im August einen eigenen Kulturförderbericht vorlegen wird.