Heiner Geißler ist tot - Politiker würdigen Leistungen

Reaktionen auf Todesfall

Der frühere Bundesminister und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist nach Angaben seines Sohnes Dominik tot. Geißler starb im Alter von 87 Jahren – im Kreis seiner Familie, wie es heißt. Mehrere Politiker reagierten auf die Todesnachricht bestürzt, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Berlin

12.09.2017, 11:28 Uhr / Lesedauer: 3 min
Heiner Geißler – hier ein älteres Bild – ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Heiner Geißler – hier ein älteres Bild – ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist tot. Das sagte sein Sohn Dominik der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ über Geißlers Tod berichtet. Der ehemalige Bundesminister wurde 87 Jahre alt. Heiner Geißler ist nach Angaben der Senioren-Union der CDU in seinem südpfälzischen Wohnort Gleisweiler im Kreise der Familie gestorben. Politiker zeigten sich erschüttert und würdigten seine Lebensleistung.

Geißlers politische Laufbahn hatte in Rheinland-Pfalz begonnen. Unter den Ministerpräsidenten Peter Altmeier und Helmut Kohl (beide CDU) war er von 1967 bis 1977 Sozialminister des Landes, anschließend wurde er CDU-Generalsekretär. Kohl berief den promovierten Juristen 1982 zum Familienminister.

Der Sozialexperte arbeitete an einem neuen Image der CDU als moderne Programmpartei und führte unter anderem ein Erziehungsgeld ein. 1989 kam es wegen Differenzen über den Kurs der Partei zum endgültigen Bruch zwischen Kohl und Geißler. Die von Geißler, Lothar Späth und Rita Süssmuth geplante Revolte auf dem Bremer Parteitag scheiterte.

Letzte große Mission im Alter von 80 Jahren

Der frühere Bundeskanzler Kohl war im Juni im Alter von 87 Jahren gestorben. Seine letzte ganz große Mission hatte Geißler, als er 2010 im Alter von 80 Jahren den Konflikt um das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ schlichtete. Geißler engagierte sich zudem beim globalisierungskritischen Netzwerk Attac.

Die CDU würdigte Geißler. Er sei „intellektuell herausragend, rhetorisch brillant, streitbar und selbstbewusst“ gewesen, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gemeinsam mit Generalsekretär Peter Tauber in Berlin. Geißler habe der CDU von 1977 bis 1989 als Generalsekretär gedient, so lange wie niemand vor und nach ihm. Geißler „war maßgeblich und mit großem Erfolg daran beteiligt, aus der Honorationenpartei CDU eine echte Mitglieder- und Programmpartei zu machen“, schrieb Merkel. So sei in seiner Amtszeit das erste Grundsatzprogramm „Freiheit, Solidarität, Gerechtigkeit“ beschlossen worden.

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Auch die eigene Partei habe er nicht mit offenen Worten geschont, wenn er dies für nötig gehalten habe, beispielsweise bei der Durchsetzung der neuen Frauenpolitik der CDU. „Dieses Rückgrat, diese politische Unabhängigkeit bewahrte er sich stets.“ Auch deshalb habe Geißler über alle Parteigrenzen und politischen Lager hinweg höchste Anerkennung, Vertrauen und Respekt genossen. 

„Er war ein sehr kluger und unbequemer Geist und hat so die CDU angetrieben, sich den Veränderungen in der Welt zu stellen. Das müssen wir heute wieder“, schrieb Generalsekretär Peter Tauber auf Facebook. Noch im Juli habe er mit Geißler über die Zukunft Afrikas, eine kluge Migrationspolitik und das Wertefundament der Gesellschaft gesprochen.

Geißler sei ein "Vordenker und Modernisierer"

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beklagte einen schmerzhaften Verlust durch den Tod Geißlers. „Als guter Freund meines Vaters war mir Heiner Geißlers Stimme von Jugend an vertraut“, sagte die Tochter des früheren niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, der 2014 verstorben war. Leyen würdigte Geißler als „Vordenker und Modernisierer“ Er habe in der Partei früh „dafür geworben, die Interessen von Frauen und Familien mit Leidenschaft zu vertreten“.

Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) schrieb am Dienstag auf Twitter, Geißler habe die CDU geprägt: „Soziale und ökologische Verantwortung, Menschlichkeit. Ich bin tief erschüttert. Sein Vermächtnis bleibt.“

 

Heiner Geißler hat die CDU geprägt: Soziale & ökologische Verantwortung, Menschlichkeit. Ich bin tief erschüttert. Sein Vermächtnis bleibt.

— Peter Altmaier (@peteraltmaier)

 

Die rheinland-pfälzische CDU-Landeschefin Julia Klöckner nannte Geißler einen großen Rheinland-Pfälzer, streitbar und klug. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schrieb auf Twitter: „Intellektuell brillant, Politik aus Grundsätzen gestaltend und scharf in der Debatte - das war Heiner Geißler. Er war einer unserer Besten.“

 

Ein großer Rheinland-Pfälzer, streitbar, klug. Wir trauern um Heiner Geißler, sind in Gedanken bei seinen Angehörigen. Er wird uns fehlen.

— Julia Klöckner (@JuliaKloeckner) 

Intellektuell brillant,Politik aus Grundsätzen gestaltend und scharf in der Debatte-das war Heiner Geißler.Er war einer unserer Besten @CDU

— Armin Laschet (@ArminLaschet) 

 

Auch viele Würdigungen aus der Oppositon

Auch die SPD würdigte Geißler. “Er war für seine Partei und für viele Bürger unseres Landes eine prägende politische Gestalt der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik. An der Auseinandersetzung mit seiner pointierten Sicht auf die Linke und die Sozialdemokratie ist die Diskussionskultur Deutschlands gewachsen„, betonte Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel. Großer Dank gebühre Geißler für seine Tätigkeit als Schlichter in großen Tarifkonflikten.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann schrieb ebenfalls auf Twitter, Deutschland verliere mit Geißler einen großen Demokraten und „streitbaren Politiker, der es keinem leicht gemacht hat. Seine Stimme wird fehlen.“ Der Grünen-Politiker Omid Nouripour schrieb: „Ein Mann der Werte und der Haltung ist von uns gegangen.“

 

Mit Heiner #Geissler verliert D. einen großen Demokraten u. streitbaren Politiker,der es keinem leicht gemacht hat.Seine Stimme wird fehlen.

— Thomas Oppermann (@ThomasOppermann) 

Ein Mann der Werte und der Haltung ist von uns gegangen. #HeinerGeißler Ruhe in Frieden.#RIP

— Omid Nouripour (@nouripour) 

 

Die Grünen haben den verstorbenen CDU-Politiker Heiner Geißler als einen Gesinnungsgenossen gewürdigt. Mit den Jahren sei Geißler den Grünen immer näher gekommen, erklärten die Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir am Dienstag in Berlin. Als Mitglied des globalisierungskritischen Netzwerks Attac habe der frühere CDU-Generalsekretär den Marktradikalismus kritisiert und sich für ökologische Belange eingesetzt.   

Geißler war am 3. März 1930 in Oberndorf am Neckar als Sohn eines Oberregierungsrates zur Welt gekommen. Vor seiner politischen Karriere war der Vater von drei Söhnen vorübergehend Mitglied des Jesuitenordens. Nach Abschluss des Philosophie- und Jurastudiums arbeitet er Anfang der 1960er Jahre kurze Zeit als Amtsrichter in Stuttgart und im Ministerbüro des Arbeits- und Sozialministeriums. 

von dpa