Heiß, heißer, NRW: Warnung vor „extremer Hitze“ in westlicher Hälfte

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Die Hitzewelle hält an. Dienstag soll es im Westen sogar „extrem“ heiß werden. Auch gab es in den letzten Tagen sechs Menschen, die bei Badeunfällen gestorben sind.

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10.08.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Sonne scheint auf ein Sonnenblumenfeld.

Die Sonne scheint auf ein Sonnenblumenfeld. © picture alliance/dpa

Glutofen Nordrhein-Westfalen: Mit Höchstwerten deutlich über 30 Grad bleibt es noch bis mindestens Donnerstag sehr heiß im bevölkerungsreichsten Bundesland. Für Dienstag warnte der Deutsche Wetterdienst in der westlichen Landeshälfte sogar vor „extremer Hitze“ - erstmals in diesem Jahr. Hinzu kommt eine leichte Schwüle, wie DWD-Meteorologin Ines Wiegand am Montag sagte. Nachts kühlt es sich häufig nicht unter 20 Grad ab. Im Tagesverlauf steigt jeweils die Gewitterneigung. Unwetter mit viel Regen sind nicht ausgeschlossen.

Trockenheit

Die mit der Hitze oft einhergehende Trockenheit hat viele Auswirkungen. So wurde wegen Trinkwasserknappheit im Kreis Gütersloh zeitweise ein Freibad geschlossen. Weil die Reserven leerzulaufen drohten, sei die Schließung zwischenzeitlich unausweichlich gewesen, hatte die Gemeinde Borgholzhausen auf ihrer Homepage mitgeteilt. Am Montag gab der Bürgermeister des Ortes in Ostwestfalen Entwarnung: Es sei gelungen, den Hochwasserbehälter mit Hilfe eines Leitungsverbundes mit den Nachbarstädten für solche Notfälle wieder zu füllen, sagte Dirk Speckmann (SPD). Das Freibad soll am Dienstag wieder öffnen.

Ende vergangener Woche waren in Borgholzhausen die Trinkwasservorräte so knapp geworden, dass ein Krisenstab zunächst das Befüllen privater Pools mit Trinkwasser und das Bewässern von Grünanlagen untersagt und anschließend das Freibad bis auf Weiteres geschlossen hatte. Die Appelle an die Bevölkerung, Wasser zu sparen, gelten aber weiter. In der Gemeinde sind 1400 Haushalte ans Trinkwassernetz angeschlossen.

Große Wasserversorger in NRW befürchten auch bei anhaltender Hitze und Trockenheit zunächst keine Wasserknappheit. „Wir sind gut aufgestellt“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens Rheinenergie, das Haushalte in Köln und Umgebung mit Trinkwasser versorgt. Auch der Versorger Gelsenwasser sieht trotz des derzeit hohen Wasserverbrauchs keine drohenden Engpässe. Die Talsperren Haltern und Hullern, aus denen Gelsenwasser einen erheblichen Teil seines Bedarfs deckt, seien derzeit noch zu 68 Prozent gefüllt. „Das reicht noch eine ganze Weile“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Gelsenwasser vorsorgt im nördlichen Ruhrgebiet und im Münsterland rund eine Million Menschen.

Der Wunsch vieler Bürger, sich in Seen und Flüssen abzukühlen, hält derweil die Kommunen in Atem. So bleibt in Duisburg die Sperrung einer beliebten Wiese am Masurensee mit einem Bauzaun bis auf Weiteres bestehen, nachdem es dort am vergangenen Wochenende zu voll geworden war. Das Ordnungsamt werde dort auch in den nächsten Tagen verstärkt kontrollieren, sagte eine Sprecherin am Montag. In dem See, der zur sogenannten Sechs-Seen-Platte gehört, ist das Baden nicht erlaubt.

Mehr Menschen an Seen als Corona erlaubt

In Düsseldorf wollte am Montag eine Expertenrunde beraten, wie die Lage am Unterbacher See entschärft werden kann, wo am Wochenende mehr Menschen in die beiden Strandbäder wollten als wegen Corona erlaubt. Wartende waren daraufhin an der Schlange vorbei in die Bäder eingedrungen. Der Badbetreiber rief schließlich die Polizei. Anzeigen gab es aber keine. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) hatte schon am Sonntag eine „coronakonforme Erhöhung der Besucherkapazität“ vorgeschlagen. Ergebnisse will die Stadt erst am Dienstag veröffentlichen.

Kehrseite Badeunfälle: Dabei kamen am Wochenende in NRW mindestens sechs Menschen ums Leben. Unter anderem starb ein 28-Jähriger mit geistiger Behinderung im Beyenburger Stausee nahe Wuppertal. Er habe sich bei einem Spaziergang mit einem Betreuer am Sonntagnachmittag völlig unvermittelt in den See gestürzt, berichtete eine Polizeisprecherin. Er habe nicht schwimmen können und sei untergegangen. Passanten hätten ihn zwar aus dem Wasser gezogen, er sei aber im Krankenhaus gestorben. In Düsseldorf wurde am Sonntagabend nach vier Stunden die Suche nach einem 18-Jährigen ergebnislos abgebrochen, der beim Baden im Rhein abgetrieben worden war. Er wäre das siebte Opfer.

„Jedes Jahr warnen wir besonders vor dem Rhein“, sagte DLRG-Sprecher Michael Grohe am Montag. „Aber viele sind unbelehrbar - sobald wir uns umdrehen, gehen sie wieder ins Wasser.“ Mehrere Hundert ehrenamtliche DLRG-Helfer seien am Wochenende im Einsatz gewesen. Für die Arbeit am Ufer, im Boot und in den DLRG-Beobachtungstürmen bekämen sie kein Geld und oft obendrein Beschimpfungen von uneinsichtigen Badegästen, sagte Grohe.

Bereits am Sonntag hatte es mancherorts Unwetter gegeben. So lief etwa in Werne (Kreis Unna) Regenwasser in mehrere Keller. Auch Bäume stürzten dort um. In Detmold schlugen Blitze in mehrere Häuser ein. Die höchste Regenmenge maß der DWD in Ennigerloh (Kreis Warendorf) mit über 49 Litern in 24 Stunden. Andernorts fiel kein Regen wie etwa in Kleve.

dpa

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