Hélène Grimaud erzählte Gedichte aus Tönen

Klavier-Festival Ruhr

Hélène Grimaud ist eine fantastische Solistin. Beim Klavier-Festival Ruhr aber weiß man die Französin auch als Kammermusikerin zu schätzen. Ende 2012 gastierte sie dort bereits mit der Cellistin Sol Gabetta in Wuppertal. Am Montag kam sie mit deren deutschem Kollegen Jan Vogler in die Philharmonie Essen.

ESSEN

, 11.07.2017, 16:58 Uhr / Lesedauer: 1 min
Hélène Grimaud erzählte Gedichte aus Tönen

Die französische Pianistin Helene Grimaud spielte zusammen mit dem Cellisten Jan Vogler in Essen.

Im Gepäck hatten die beiden das identische Programm von vor fünf Jahren. Stand Hélène Grimaud damals etwas im Schatten der charismatisch-impulsiven Argentinierin, so erlebte man jetzt zwei Musiker auf Augenhöhe, die sich mit gleicher Empfindsamkeit in die gemeinsam produzierten Klänge versenkten - und das, wie zu beobachten war, in lächelndem Einvernehmen.

Debussy als leichtes Gedicht

Faszinierend, wie Grimaud und Vogler die Cellosonate von Debussy in ein duftig leichtes Gedicht aus Tönen verwandelten, indem sie ihren Instrumenten feine Linien und zarte Farben entlockten. Träumerisch und mit leichtem Ton stiegen die beiden in die erste Cello-Sonate von Brahms ein, der sie im Folgenden auch in puncto dramatischer Wucht und Urgewalt nichts schuldig blieben.

Draufgängerisch und klanggewaltig unter Führung des Flügels erklang das Finale. Einziges Manko: im rhapsodischen Mittelteil des Menuetts waren Grimaud und Vogler nicht immer ganz zusammen.

Vorzeitiger Beifallsturm

Schumanns drei Fantasiestücke op. 73 machte das Duo zu Liedern ohne Worte, schwärmerisch "gesungen" vom Cello zu atmosphärisch dichter Klavierbegleitung, emphatisch-mitreißend das Schlussstück. In der Cellosonate von Schostakowitsch erweiterten Grimaud und Vogler die Farbigkeit hin zu gesteigerter Expressivität. Das motorische Scherzo mit perkussiven Klavier- und sphärenhaften Celloklängen löste einen vorzeitigen Beifallssturm aus. 

Gleich mehrere Huster störten die nachfolgende Cello-Elegie, der die Musiker einen kecken, funkensprühend-virtuosen Kehraus folgen ließen. Das sanfte Largo aus der Cellosonate von Chopin gab’s als stimmige Zugabe. Und dann noch einmal das schon zuvor gefeierte Schostakowitsch-Scherzo.