Hellen: "Stadtwerke Bochum haben gezielt getäuscht"

Interview mit dem Promi-Vermittler

In Bochum haben sich die Stadtwerke und der Steiger-Award-Veranstalter Sascha Hellen gegenseitig verklagt. Nun will der Promi-Vermittler mit der langjährigen Veranstaltung nach Dortmund zurückkehren. Wir haben mit ihm über seine Zukunftspläne und die verbrannte Erde in Bochum gesprochen.

Bochum

von Hermann Beckfeld

, 20.09.2013, 06:04 Uhr / Lesedauer: 4 min
Sascha Hellen.

Sascha Hellen.

  Die Stadtwerke Bochum haben durch falsche Angaben über angebliche Spendenverpflichtungen der Referenten die Öffentlichkeit bewusst und gezielt getäuscht und dadurch ihre überaus erfolgreiche Veranstaltungsreihe Atriumtalk, die bis dahin zu erheblichen Imagegewinnen für die Stadtwerke geführt hatte, ohne jeden vernünftigen Grund geopfert. Dadurch wurde ein nachhaltiges Negativimage ausgelöst hat. Die Bochumer Oberbürgermeisterin, über viele Jahre gern gesehener Gast auf unseren Veranstaltungen, hat sich im Ergebnis von den Akteuren täuschen und den Mut zur Aufklärung vermissen lassen. Ich habe mir keinen Fehler vorzuwerfen und dies kann und werde ich belegen. Die unwürdige Diskussion der letzten Monate hat viele zu Wort kommen lassen, aber leider nie die, die wirklich in die Vorgänge involviert waren. Alleine die Tatsache, dass es mehrere Aufsichtsratssitzungen über einen Zeitraum von 6 Wochen nötig waren, um Verträge vorzulegen, war ein großes Ablenkungsmanöver. Durch bewusste Falschaussagen wurden „Blendgranaten“ geworfen.  

  Wie gesagt: ich habe mir keinen Fehler vorzuwerfen. Wir arbeiten seit Jahren mit vielen Kunden in Deutschland und Europa vertrauensvoll und bestens zusammen und verfügen über ein großes internationales Netzwerk. Der Steiger Award ist bundesweit bekannt, der Abend ist immer auch eine Kontaktbörse. Dies können Sponsoren nutzen. Ich bin dankbar, dass wir auch in diesem Jahr auf langjährige Partner, wie zum Beispiel das Pullman Hotel, beim Steiger Award bauen können. Und es gibt eine rege Nachfrage nach Karten, von Stammgästen und Interessierten  

  Die Verleihung war schon immer eine Low-Budget –Veranstaltung. Das macht vielleicht auch den Reiz aus. Die Philosophie des Preises steht im Vordergrund. Wir können und wollen keine Unsummen für eine teure Dekoration ausgeben. Mir sind kluge und inhaltsreiche Reden auf der Bühne, wie wir sie über Jahre erlebt haben, wichtiger, als eine Zigarrenlounge. In den letzten Monaten wurden im Zusammenhang mit meinen Veranstaltungen in den Medien Summen genannt, die absolut unrealistisch sind. Wir finanzieren uns durch Eintrittsgelder und durch Partner, die uns finanziell oder mit Sachleistungen unter die Arme greifen.  

  Es war nie eine städtische, sondern immer eine Privatveranstaltung. Frau Dr. Scholz wurde von uns als erste Frau der Stadt gebeten, ein Grußwort zu halten und darüber haben wir uns auch immer gefreut. In diesem Jahr legen wir den Schwerpunkt auf die eigentliche Gala und die Preisträger. Das sind die wahren Helden. Und – für den Unterhaltungsteil: mehr Musik, mehr Showelemente.  

  Nennen Sie es Patriotismus. Ich fühle mich hier verankert, glaube an die Region und bin der festen Überzeugung, dass auch das Revier sich von einer glamourösen Seite zeigen darf. Das Ruhrgebiet muss bundesweit nicht immer nur mit Negativ-Schlagzeilen vertreten sein. Ich bin ein überzeugter Ruhrgebietler.  

  Herausforderung Zukunft verfolgt einen bildungspolitischen Anspruch. Es ist eine Plattform zum Dialog. Alle Veranstaltungen waren immer frei zugänglich für die Bevölkerung, entsprechend konnten wir mit dem Sponsorbetrag der Stadtwerke Bochum in Höhe von 65.000 Euro jährlich 15 Veranstaltungen finanziert. Das relativiert die Summe der einzelnen Veranstaltung auf rund 4500 Euro. Kosten für Technik, Drucksorten, Anreise, etc. konnten so gedeckt werden. Das NRW-Israel-Forum hat ein deutliches Zeichen der Solidarität mit Israel gesetzt, das selbst in Israel wahrgenommen wird, und findet zum dritten Mal am 15. Oktober in Bochum statt. Auch die Workshops an den Schulen gehen weiter. Prominente Persönlichkeiten diskutieren hier mit Jugendlichen über aktuelle Themen. Das waren Charlotte Knobloch, die ihre eigene Geschichte und das Überleben im Holocaust erzählte. Oder, wie vor wenigen Tagen, Andreas Krautscheid vom Bundesverband der Banken. Er erklärte Teenagern die Eurokrise. Wir haben auch hier sehr viel positiven Zuspruch erhalten und bleiben mit einem Bein des Projekts in Bochum. Aber wir werden mit Herausforderung Zukunft einen zweiten Ableger in der Region eröffnen. Alle Referenten der letzten Jahre, ob Ehud Olmert, der Dalai Lama oder der Fürst von Monaco sind unter Verzicht auf Gagen gekommen und haben in ihren Ausführungen tagesaktuelle Themen aufgegriffen.  

  Es gab und gibt jede Menge Zuspruch – von unbekannten Bürgern, Weggefährten und Prominenten. Das ist erfreulich und hat Mut gemacht. Dafür bin ich dankbar, für die vielen Zuschriften. Aber eine solche Situation hat – bei aller Kraft, die man aufbringen muss, um gegen falsche Darstellungen und Lügen anzukämpfen, auch den Vorteil, dass man Freund und Feind unterscheiden kann. So mancher Lokalpolitiker, der über Jahre mit seiner Frau um einen guten Platz bei unseren Veranstaltungen gebuhlt und durch Anrufe seien Wichtigkeit unter Beweis stellen wollte, hat sich als Dummschwätzer enttarnt.  

  Wir geben in den nächsten Tagen die ersten Namen der Preisträger bekannt. Aber schon jetzt steht fest: auch in diesem Jahr kommen internationale Gäste ins Revier, große Namen, die für Werte stehen und ihren Weg unbeirrt gehen. Der Steiger Award wird sein Niveau halten und Werner Hansch als Stimme der Region wird durch den Abend führen. Das freut uns sehr. Hansch ist ein überzeugter Botschafter für die Region und war in seiner Jugend einige Wochen unter Tage. Er hat Steiger-Luft geatmet. Die Preisträger der letzten Jahre haben die Veranstaltung stets gelobt und alleine die Aussage von Hape Kerkeling, es „ist ja besser als beim Bambi hier“ war und ist ein Ritterschlag.