Herta Müllers Festspielrede ist eine Warnung

Ruhrtriennale

Zur Begrüßung seiner Eröffnungsrednerin Herta Müller wählte Ruhrtriennale-Intendant Johan Simons am Freitag überraschend persönliche Worte: „Wie Sie komme auch ich vom Dorf. Wir wissen, wie man Katzen ertränkt und Hunde erschlägt.“

BOCHUM

, 20.08.2017, 15:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
Herta Müllers Festspielrede ist eine Warnung

Herta Müller hielt die Festspielrede zur Eröffnung der Ruhrtriennale in Bochum.Sebastian Drueen

Tatsächlich spielte die Herkunft in der eindringlichen Rede der Liternaturnobelpreisträgerin, die eigentlich die Lesung der autobiografischen Erzählung „Ausweg nach innen“ war, eine große Rolle.

Fesselnder Vortrag

Herta Müller hat eine ganz eigene Art des fesselnden Vortrags. Ihre Worte kommen bedächtig und leise daher, aber extrem wirkmächtig. Weil sie ihr selbst unendlich viel bedeuten, einem gefährdeten Leben abgerungen sind, können sie die Zuhörer nicht kalt lassen.

Mit den ersten Sätzen führt sie die Besucher in der zum Bersten gefüllten Turbinenhalle hinter der Bochumer Jahrhunderthalle in ihre Kinder- und Jugendzeit auf dem rumänischen Land, exponiert Themen wie das noch unbekannte Gefühl von Einsamkeit, die Drohung des Todes, ihre persönliche Rettung durch die Freundschaft zu den Erscheinungen der wilden Natur und den Geheimnissen der Sprache.

Es ist die kalte Welt des real existierenden Sozialismus, die Müller in der Folge eindringlich ausgestaltet. Eine Welt, in der sich Menschen misstrauisch begegnen, zu Feinden werden, in der man sich in seinen eigenen Wänden nicht sicher fühlt. Die Autorin erzählt, wie der Geheimdienst sie, die als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik arbeitete, immer wieder unter Druck setzte, um sie als Spitzel zu gewinnen.

Für Demokratie und Freiheit

Ihre Rede ist eine Warnung. „In Russland ist es wieder normal, dass Theateraufführungen gestürmt werden und Stalin-Denkmäler enthüllt“, konstatiert die Autorin.

Sie hält die Rede in einer Zeit, in der die populistischen Bewegungen fast überall auf der Welt Aufwind haben, in der sich ein Festival wie die Ruhrtriennale genötigt sieht, die Gültigkeit der europäischen Werte zu überprüfen. Es kann nur eine Schlussfolgerung geben: Für diese Werte, für Demokratie und Freiheit einzustehen.