„Hillbilly-Elegie“

J.D. Vance

J.D. Vance wächst dort auf, wo es keine Hoffnung, dafür umso mehr Drogen und Gewalt gibt. Später schafft er es an die Elite-Uni Yale. Seiner Heimat in Ohio widmet er ein Buch - und bietet so Einblick in eine Schicht, die den Wahlsieg Donald Trumps ermöglichte.

28.06.2017, 11:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Hillbilly-Elegie“

Die weiße Arbeiterschicht. Manche nennen sie "White Trash", andere "Hillbillys". Überaus seltene Einblicke in diese Bevölkerungsschicht liefert der US-Autor mit der "Hillbilly-Elegie".

Vance beschreibt eigentlich nur seinen eigenen Werdegang. Seine Heimat sind Jackson im US-Staat Kentucky und Middletown in Ohio. Die Gegend zählt zum sogenannten Rust Belt, in dem die weißen Arbeiter einst ohne Ende malochten, ehe die Industrie der Region ihren Niedergang erlebte.

Arm und rau

Hier sind sie zu Hause, die Hillbillys. Viele von ihnen sind laut Vance schottisch-irischer Abstammung, sie sind weiß, arm und rau. Viele sind gegen Abtreibung und Homosexualität, die meisten hegen einen Groll gegen die Elite in Washington. "Das sind alles Gauner", zitiert Vance seine Großmutter.

Auf den Schulhöfen lernt er, wie man Schläge austeilt. Zu Hause versucht seine Oma im Zorn, seinen Großvater anzuzünden. Seine Mutter hangelt sich von einem Ehemann zum nächsten, während ihre einzige feste Beziehung zu diversen Drogen besteht. Für die Leute in seiner Nachbarschaft ist Armut "Familientradition".

Mit Anfang 30 hat er das geschafft

Irgendwie schafft es Vance zu den Marines, dann ins College und mit harter Arbeit zum Jurastudium nach Yale. Heute lebt er in San Francisco und arbeitet als Investor. Mit Anfang 30 hat er damit das geschafft, was vielen in seiner Heimat ewig verwehrt bleibt - und das im Grunde deshalb, weil sie aus einer Region ohne Hoffnung stammen.

Die Probleme, die Vance schildert, sind keine rein amerikanischen. Vieles erinnert an die Situation in manchen wirtschaftsschwachen Regionen in Deutschland.

Von Steffen Trumpf/dpa

J.D. Vance: Hillbilly-Elegie, 304 S., Ullstein, 22 Euro, ISBN 978-3-550-05008-4.

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