Hinter jedem literarischen Genie steht ein Lektor

"Genius" im Kino

Genialer Lektor oder Lektor eines Genialen? Die Frage, die sich in der Biografie "Max Perkins: Editor of Genius" stellt, versucht Regisseur Michael Grandage in "Genius" zu beantworten. Eine Geschichte über die Beziehung von Lektor und Autor - besetzt mit Colin Firth, Nicole Kidman und Jude Law.

15.08.2016, 15:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Colin Firth (l.) und Jude Law spielen in „Genius“.

Colin Firth (l.) und Jude Law spielen in „Genius“.

Im Büro des Lektors Maxwell Perkins steht ein hibbeliger Autor, der sein voluminöses Manuskript gleich wieder einpacken will. "Nein, nein", beschwichtigt Perkins den jungen Mann: "Wir würden ihr Buch gern veröffentlichen!"

"Ist das ihr Ernst? Ich kann es nicht glauben. Jeder Verlag in New York hat mich abgewimmelt!" Nicht aber Max Perkins, der in den 20er-Jahren F. Scott Fitzgerald entdeckte, Hemingway betreute und zu Ruhm kam, obwohl er der Mann im Schatten war, einer, der Talente erkannte und sich in ihren Dienst stellte.

Filmisches Doppelporträt

"Genius" von Regisseur Michael Grandage ist ein filmisches Doppelporträt: Das von Perkins (Colin Firth) und das seines von Jude Law gespielten Protegés Thomas Wolfe (nicht zu verwechseln mit Tom Wolfe, Autor von "Fegefeuer der Eitelkeiten"). Der Film geht auf eine Biografie zurück, "Max Perkins: Editor of Genius" ihr doppelbödiger Titel: Genialer Lektor oder Lektor eines Genies?

Wohl beides. Perkins war genial darin, in Wolfes Manuskript die Stimme eines Autors von Format zu hören. Und er war besessen genug, dem Schreiber von "Schau heimwärts, Engel" tausend Streichungen abzuringen, die das Buch in eine Form brachten, die es zum Erfolg machte. Ja, sagt der Film, auch Wolfe war ein Genie. Aber bockig, störrisch, selbstverliebt - ein Rohdiamant, den Perkins zu schleifen wusste.

Kidman als echte Drama-Queen

Colin Firth gibt den disziplinierten Pedanten, Jude Law (hart am Over-acting) den jungen Springinsfeld, aus dem die Seiten nur so herausquellen. Grandage erzählt die Geschichte einer Freundschaft, einer Vater/Sohn-Beziehung. Warmherzig, mit hohem Rührfaktor, aber nicht kitschig. Eingebettet ist das in Familienszenen, Skizzen aus New Yorks Nachtleben, ohne große Tiefe episodisch aufgereiht bis zu Wolfes Tod 1938. Nicole Kidman ist als Wolfes Geliebte zu sehen, eine echte Drama-Queen. Gediegenes Schauspielerkino, nicht mehr, nicht weniger.