Hinter jeder Tür ein Schicksal

Ausstellung "New Pott" in Duisburg

Das geht weit über Kunst hinaus. Mischa Kuball - eigentlich ein bekannter Lichtkünstler - hat mit "New Pott - Heimat im Revier" ein zutiefst menschenfreundliches, aufrichtiges Projekt zum Thema "Migration" geschaffen. Die Bilder und Videos, die ab Samstag im Duisburger Lehmbruck Museum zu sehen sind, greifen wirklich ans Herz.

DUISBURG

20.02.2014, 18:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Düsseldorfer Kunstprofessor hatte das Projekt, das damals noch "100 Lichter - 100 Gesichter" hieß, während der Kulturhauptstadt 2010 begonnen. Gemeinsam mit dem Filmemacher Egbert Trogemann und einem Ton-Fachmann besuchte er 100 Migranten im Ruhrgebiet, die aus 100 Ländern (!) stammten. 400 Stunden Videomaterial drehte das Trio.Mit den Menschen sprechen

"Wir wollen nicht über Menschen sprechen, sondern mit ihnen", sagte Kuball gestern. So lernte er Paul Eisenreich kennen, der aus Panama kommt und heute in Dortmund lebt. Oder Komi Edinam Akpemado aus Togo, der in Bochum wohnt. Oder Erika Gottfried, die aus Usbekistan nach Witten gekommen ist. "Hinter jeder Tür öffnete sich ein neuer Kosmos", erzählt der Künstler - verblüfft, wie offen und ungeschönt die Migranten erzählten.

Tragische Schicksale

Viele hatten tragische Schicksale hinter sich, waren traumatisiert. Einer hatte durch Folter ein Bein verloren. "Manchmal waren wir überfordert", gibt Kuball zu. Wo sie konnten, halfen sie auch praktisch, erkämpften zum Beispiel dem jungen Fußballfan Mahamed Arouna aus dem Niger eine Aufenthaltsgenehmigung.

Auf 100 Schwarz-Weiß-Fotos - dass die Farbe fehlt, ist Kuballs Verbeugung vor dem berühmten Porträtfotografen August Sander - sind die Menschen nun in ihren Wohnungen zu sehen. Ein zweites Foto zeigt die menschenleeren Zimmer. Manchmal sehr einfach eingerichtet, stets penibel aufgeräumt. Immer steht dort die Kugellampe, die Kuball als Gastgeschenk mitbrachte. Das Herz der Ausstellung sind jedoch die Videos, in denen die Menschen erzählen.

Nach den abwertenden Äußerungen Thilo Sarrazins gegen Ausländer sei die Kontaktaufnahme damals schwieriger geworden, berichtete Kuball. Sein Projekt bezieht gegen Sarrazin Position, wirft das Licht des Mitgefühls auf Individuen, die nur ein besseres Leben erhoffen.

Das Projekt war Ende 2010 in einer Ausstellung zu sehen. Jetzt hat es - dank RWE-Stiftung und Sparkassen-Stiftung Rheinland - eine dauerhafte Bleibe in dem Duisburger Museum gefunden.

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