Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Historienfilm mit Christoph Waltz ist Schnulze und Thriller

Im Kino: "Tulpenfieber"

In Amsterdam ist die Hölle los. Die Leute bieten astronomische Preise für eine kleine Zwiebel, Tulpen sind das neue Gold. Exoten werden im Wert eines Hauses gehandelt, man kann Optionen auf Pflanzen kaufen, die noch in der Erde sind. Die ganze Stadt ist im „Tulpenfieber“, so der Titel des Historienfilms von Justin Chadwick.

23.08.2017 / Lesedauer: 2 min
Historienfilm mit Christoph Waltz ist Schnulze und Thriller

Posieren für den Maler: Kaufmann Cornelis (Christoph Waltz) und seine Frau Sophia (Alicia Vikander).

Spekulanten heizen den Markt weiter an. Hysterie liegt in der Luft. Das Platzen dieser Spekulationsblase um 1637 markiert den ersten gut dokumentierten Börsencrash der Geschichte. Vermögen lösen sich in Luft auf, wohl dem, der andere Geschäftsfelder hat.

Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) kann über den Tulpenwahn nur lächeln, der Gewürzhandel hat ihn reich gemacht. Was ihm fehlt, ist ein Erbe, Sophia (Alicia Vikander) soll ihm den schenken. Sandvoort hat die bildhübsche Sophia aus einem von Nonnen geführten Waisenhaus gekauft, muss man wohl sagen.

Waltz bemerkt erotisches Knistern nicht

Für ihn der Weg zu einem Sohn, für sie der Aufstieg in bessere Kreise. Eine Zweckheirat, Liebe ist nicht im Spiel. Die schneit ins Haus, als Sandvoort beim jungen Maler Jan van Loos (Dane DeHaan) ein Porträt in Auftrag gibt. Stolz wie ein Pfau posiert Cornelis mit Sophia. Meine Frau, mein Geld und ich.

Was der eitle Gockel nicht bemerkt, ist das erotische Knistern zwischen Maler und Modell. Jan und Sophia stürzen sich in eine Affäre. Die Scharade, die das Paar aufzieht, um seine Liebe zu leben, toppt jedes Groschenheft, weil sie immer bizarrer wird. 

"Tulpenfieber" ist malerisches Sittenbild

Simulierter Babybauch, Kuckuckskind, vermeintlicher Todesfall. Schnulze und Thriller in einem. Unterhaltsam ist das allemal, weil „Tulpenfieber“ auch ein malerisch ausgestattetes Sittenbild ist, ganz wie „Das Mädchen mit der Perlenohrring“.

Tableaus erinnern an Rembrandt und Vermeer, in Straßen und Wirtshäusern springt uns das pralle Leben von damals an, inklusive des „Wirtschaftskrimis“ um die Tulpe, der als Hintergrundfolie fungiert. Und dann ist da das Rehauge Alicia Vikander, immer eine Augenweide. Nicht sehr anspruchsvoll, aber ansprechend: Schmachten zwischen Grachten.