Historische Instrumente hinter den Burgmauern

Haus Kemnade

Die Wasserburg Kemnade ist ein beliebtes Ausflugsziel und eine wichtige Sehenswürdigkeit. Aber nicht nur von außen kann sich der Renaissancebau sehen lassen. Im Inneren findet sich eine Dauerausstellung mit zahlreichen historischen Instrumenten - darunter einige besondere Kuriositäten, wie zum Beispiel das Giraffenklavier.

BOCHUM

, 05.08.2016, 12:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Günter Fey am Tafelklavier, das einst im Besitz von Joseph Beuys war.

Günter Fey am Tafelklavier, das einst im Besitz von Joseph Beuys war.

Hinter den dicken Burgmauern von Haus Kemnade wird geheiratet und getafelt – aber auch besondere Ausstellungen finden sich dort. Ein besonderes Schmuckstück ist die Dauerausstellung der Musikinstrumentensammlung von Hans und Hede Grumbt. Und allein für diese Sammlung engagieren sich täglich zahlreiche Mitarbeiter, damit die Sammlung in Stand gehalten und erweitert werden kann. Günter Fey vom Förderverein des Kunsthistorischen Museum kannte Hans Grumbt noch persönlich: „Wir haben noch etwa fünf Jahre lang gemeinsam im Orchester gespielt“, berichtet Fey. Dort habe er mitbekommen, wie wichtig für Grumbt seine Sammelleidenschaft war: „Er und seine Frau haben sehr spartanisch gewohnt – die gesamte Wohnung war voll mit Instrumenten, sodass sie irgendwann sogar die Nachbarwohnung anmieten mussten, um alles unterzubringen“, so Fey, der auch selbst Führungen durch die Ausstellung auf Haus Kemnade anbietet.

Sammelleidenschaft blieb

Bis zu seiner Pensionierung habe Grumbt alte europäische Instrumente gesammelt – diese übergab er dann mit seiner Pensionierung an das Museum. Doch für Grumbt hörte die Sammelleidenschaft nicht auf, weiß Fey: „Dann hat Grumbt angefangen, außereuropäische Instrumente zu sammeln.“

Rund 1600 Instrumente umfasst die Sammlung Grumbt. Ausgestellt sind davon nur etwa 200 Stück. „Viele Instrumente müssen aufwändig restauriert werden“, erklärt Christoph Schlierkamp, Kustor von Haus Kemnade. So unter anderem eines der wohl ausgefallensten Stücke der Sammlung: Der Giraffenflügel. Gebaut von Gabriel Anton Walter, der auch für Beethoven, Mozart, Schubert und Hayden die Klaviere fertigte. „Mit der Teil, der bei einem normalen Flügel in die Waagerechte gebaut ist, wurde hier in die Höhe verlagert“, erklärt Schlierkamp das besondere Instrument. Was auf den ersten Blick eher wie ein Möbelstück aussieht, lässt sich mit wenigen Handgriffen zu einem Instrument umbauen.

Dass das Tasteninstrument trotz seiner speziellen Bauweise Töne von sich gibt, liegt an der Hammerklaviermechanik. „Vom Klang her ist es also eher dem Cembalo nahe, als einem Klavier“, demonstriert Schlierkamp an einer der wenigen noch funktionierenden Tasten des Instrumentes. Wie viel eine Restaurierung kosten würde ist nicht klar. Melanie Richter vom Förderverein hat große Pläne: „Wir werden uns sicher mal ein Angebot einholen – aber es ist auch nicht so einfach, jemanden zu finden, der so ein historisches Klavier angemessen restaurieren kann.“

Instrumente mit Tücken

Ganz anders sieht es bei einem Tafelflügel aus, der sich ebenfalls in der Sammlung befindet. Bei dem großen viereckigen Klavier, das von der Form her einem Esstisch ähnelt, handelt es sich um eine Schenkung, die an den Förderverein gemacht wurde. Das Besondere: Das Schmuckstück war einst im Besitz der Familie von Joseph Beuys. „Über Umwege kam das Instrument nach Bochum und wir haben es der Sammlung Grumbt hinzugefügt“, erklärt Fey. Etwa 200 Euro hat der Förderverein in das wertvolle Instrument investiert, um es wieder spielfertig zu machen. Und tatsächlich ist es eines der wenigen spielfertigen Instrumente in der Ausstellung. „Das Problem ist nur, dass das Klavier tiefer gestimmt ist, als die meisten Instrumente. Will man ein Stück mit diesem Klavier und anderen Instrumenten vertonen, dann müssen diese entsprechend auch tiefer gestimmt sein“, erklärt Schlierkamp.

Ein Instrument pro Jahr kann das Haus Kemnade in etwa restaurieren lassen. Dass eines Tages die gesamte Sammlung Grumbt ausstellungsfähig wird, ist aber eher unwahrscheinlich, glaubt Schlierkamp: „Dafür sind einige Instrumente wirklich zu alt oder nicht ausgefallen genug, als dass sich eine Restaurierung lohnen würde.“