Hochlandrinder fühlen sich am Fliegerberg in Borken wohl

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Sie bringen ein Stückchen Schottland nach Borken: Otis, Malcolm junior und Markus leben seit März in dem Naherholungsgebiet. Familien mit Kindern kommen gerne, um die zotteligen Tiere zu sehen.

von Peter Berger

Borken

, 07.09.2020, 13:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie die Tiere, so der Züchter: Richard Löttert (55) bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Gemächlich geht er über die Freifläche am Fliegerberg, um nach seinen Zöglingen Otis, Malcolm junior und Markus Ausschau zu halten. So heißen die urigen, derzeit rund 650 Kilo schweren Hochlandrinder, die seit März hier ihr Auskommen finden. „Mal sehen, ob sie sich kämmen lassen wollen“, sagt Löttert und lächelt.

Vor einem halben Jahr begann die mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt abgestimmte Beweidung. Damit sich Tier und Mensch nicht ins Gehege kommen, war um das 12,5 Hektar große Gelände zuvor ein Zaun gezogen worden. Das sei für viele Besucher erstmal gewöhnungsbedürftig gewesen, räumt Löttert ein. Denn am Fliegerberg galt eine Art Gewohnheitsrecht. Das beliebte Naherholungsgebiet, das zugleich Naturschutzgebiet ist, diente Zwei- und Vierbeinern als „Freilaufzone“.

Anfangs habe er seltsame Anrufe zu später Stunde bekommen, blickt Löttert zurück, aber das habe sich längst gelegt. Die Rückmeldungen, die er jetzt bekomme, seien ganz überwiegend positiv. „Das Publikum hat sich verändert“, stellt er fest. Familien mit Kindern kommen gerne, um die zotteligen Tiere zu entdecken.

Hochlandrinder fühlen sich am Fliegerberg in Borken wohl

An diesem Spätsommermorgen haben sich Otis, Malcolm jr. und Markus in den hinteren Winkel der langen Weide verzogen. Weit weg von der Wasserstelle. Die Kübel, die unter einer Baumgruppe stehen, sind gut gefüllt. 1400 Liter karrt Löttert pro Woche in einem umgebauten Güllewagen heran. Bei Hitze und Trockenheit seien es natürlich mehr.

Was guckst du? Hochlandrind Markus nimmt seine Besucher in den Blick.

Was guckst du? Hochlandrind Markus nimmt seine Besucher in den Blick. © Lily Schmidt

Löttert kennt sich mit den Rindern, die ursprünglich aus den schottischen Highlands kommen, bestens aus. Rund um Velen hat er auf 70 Hektar rund 100 Viecher stehen. Aus einer Idee unter Freunden ist längst ein Hobby geworden, das mit dem Hauptberuf rein zeitlich gleichgezogen hat. Löttert arbeitet bei Airbus. „Montags freue ich mich aufs Büro und ab donnerstags auf die Weide“, sagt er. Wenn er verhindert ist, übernehmen Frau und Töchter.

Ähnlich wie „Pferdeflüsterer“ gebe es auch „Rinderflüsterer“

Ähnlich wie „Pferdeflüsterer“ gebe es auch „Rinderflüsterer“, erklärt der Velener. Menschen, die das Verhalten der Tiere studiert und darauf eingehen können. Von solchen Experten habe er sich viel abgeguckt. Denn so gutmütig Otis, Malcolm jr. und Markus auch sind – ein paar Eigenheiten sollte man schon kennen. „Ich gehe niemals geradewegs auf die Tiere zu“, nennt Löttert ein Beispiel. Lieber im langsamen Zickzack, so als sei man ein bisschen verwirrt. Sehen könnten die Rinder schlechter als Menschen, dafür aber viel besser hören und riechen.

„Die sind nicht immer schmusig“

Wichtig sei das Verhalten in der „Duldungszone“. Hier könnten die „Highländer“ schon mal einen gewissen Unwillen zu erkennen geben. „Die sind nicht immer schmusig“, erklärt Löttert. An diesem Morgen lassen sich die Drei kaum aus der Ruhe bringen. Otis, zu erkennen an dem hellen Fell, grast friedlich vor sich hin und lässt auch das Kämmen ungerührt über sich ergehen. Löttert setzt den „Metzgergriff“ an, prüft mit der Hand die „Bemuskelung“ der Flanken. „Bei einem Schönheitswettbewerb würden die zwar nicht den ersten Preis gewinnen, aber ihnen geht‘s auf jeden Fall gut hier“, stellt der Züchter fest.

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Durch den Regen der vergangenen Tage sprießt es auf der Magerrasenfläche wieder mehr, außerdem knabbern die Rinder auch gern an den Bäumen, was ganz normal und auch gewollt ist. In drei oder vier Wochen werde er an der Wasserstelle probehalber einen Heuballen deponieren. Je nachdem, wie viel die drei Rinder dann davon nehmen, soll in den kommenden Herbst- und Wintermonaten immer mehr zugefüttert werden.

Die Hörner sind unterschiedlich

Wie bei Otis liegt auch bei Malcolm jr. und Markus die Duldungszone bei null Metern. Heißt: Man kann ganz nah ran. Löttert bewegt sich bedächtig um die zwei braunen Rinder herum. Wie er sie unterscheiden kann? „Malcolms Hörner sind ein wenig nach innen gebogen, das hat er von seinem Großvater“, sagt der Züchter.

Löttert steckt die Bürsten wieder ein, blickt übers Gelände. Das sei hier wie Schottland, wenigstens ein Stückchen, sagt er, die Ruhe selbst.

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