Hochrechnung: Wann könnte der Inzidenzwert in Ihrer Region unter 100 fallen?

Statistik

Wann sinkt die Inzidenz im eigenen Landkreis unter 100 oder 50? Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) berechnet Werte in einem Modell. Die Prognose für NRW ist ernüchternd.

von Nadine Wolter

, 30.04.2021, 06:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland hat vage Prognosen zur Entwicklung der Inzidenzwerte aufgestellt. (Symbolbild)

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland hat vage Prognosen zur Entwicklung der Inzidenzwerte aufgestellt. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Ernüchternd kann es sein, wenn man sich die Modellrechnung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi) für das Infektionsgeschehen in naher Zukunft in vielen Bundesländern und Städten anschaut. Das Zi hat vage Prognosen zur Entwicklung der Inzidenzwerte und zum R-Wert für die kommenden Wochen aufgestellt, ausgehend von der aktuellen Pandemiesituation. Jeder kann auf der Seite seinen Landkreis und sein Bundesland finden.

Wenn dort ein Niedersachse, Sachse oder Kölner auf die Antwort nach der Frage sucht, wann denn nun endlich bei ihm der Inzidenzwert auf unter 100 fällt, fällt diese knapp aus: nie. In Berlin dagegen könne es der Hochrechnung zufolge schon am 18. Juni soweit sein, in Bayern am 15. September und in Hamburg könne der Inzidenzwert bereits am 23. Mai unter 50 fallen, rechnet das Institut vor.

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R-Wert kann sich ändern – und damit die Prognose

Die Berechnung des Zi orientiert sich auch am R-Wert. Ist dieser Schätzwert größer als eins oder beträgt eins, kann ein niedrigerer Zielinzidenzwert nicht erreicht werden, schreiben die Forscher auf ihrer Webseite. Sobald der R-Wert in Niedersachsen oder Sachsen unter eins fallen würde, ändert sich auch für diese Bundesländer die Prognose.

Für ihre Inzidenzprognose verwenden die Zi-Forscher eine Zinseszinsrechnung und berechnen ausgehend vom derzeitigen R-Wert einer Region, wann genau das „Zielkapital“ (die für die Corona-Lockerungen politisch festgesetzten Inzidenzwerte 100, 50 und 35) dort erreicht würde.

Modellierung: Weitere Faktoren sind wichtig

Die Berechnungen zeigen ein mögliches Szenario und haben auch Grenzen. Sie gehen immer vom derzeitigen R-Wert aus. Dass dieser künftig steigen oder sinken könnte, spielt in dem Modell keine Rolle. Die Prognosen sind also nur begrenzt aussagekräftig, betonen auch die Urheber der Seite: „Die Inzidenzprojektion verwendet nur den aktuellen R-Wert und die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz, sie stellt keine exakte Prognose für die zukünftige Entwicklung dar. Diese hängt auch von anderen Faktoren ab.“

Ab Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 erste Lockerungen

Derzeit gilt aufgrund der von Bundestag und Bundesländern beschlossenen Bundesnotbremse ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 eine nächtliche Ausgangssperre. Alle Regelungen der Bundesnotbremse sind befristet bis maximal zum 30. Juni. Gleichwohl gelten nach wie vor die Beschlüsse von Anfang März weiter, die auch Öffnungsmöglichkeiten je nach regionaler Infektionslage vorsehen.

Liegt der Inzidenzwert nicht mehr an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei 100 oder darüber, gilt die Ausgangssperre nicht mehr. Auch Museums- und Zoobesuche würden wieder möglich. Ab einer Inzidenz von unter 50 könnte laut der im März beschlossenen Öffnungsstrategie die Außengastronomie wieder öffnen. Ab einer Inzidenz von unter 35 sind Freizeitveranstaltungen im Außenbereich mit maximal 50 Personen möglich.

SPD-Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat derweil ein Konzept für den Weg aus dem Corona-Lockdown gefordert. „Wir brauchen den Fahrplan zurück ins normale Leben, aber einen, der nicht nach ein paar Tagen widerrufen wird“, sagt Scholz. „Ende Mai sollten wir in der Lage sein, belastbare Aussagen zu treffen. Ich will, dass wir als Regierung dann klare und mutige Öffnungsschritte für den Sommer festlegen.“

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