Hömma, in Günna sein Theater kannze lachen!

Bruno Knust im Porträt

Kabarettist, Kolumnist, Autor und vieles mehr: Bruno Knust, Künstlername Günna, ist überall erfolgreich – Hauptsache, es geht um seine Heimat, sein Ruhrgebiet. Seit 1991 tritt der 61-Jährige in seinem Theater auf. Die Gäste, vorwiegend Stammkunden, lieben die urige Revier-Atmosphäre, mehr aber noch die Schlagfertigkeit des einstigen Puppenspielers, der auch Kinder begeisterte.

Dortmund

, 12.09.2015, 09:12 Uhr / Lesedauer: 4 min
Kabarettist, Kolumnist, Autor: Bruno Knust, Künstlername Günna.

Kabarettist, Kolumnist, Autor: Bruno Knust, Künstlername Günna.

Siehste, der Günna, der kann dat. Eine Stunde lang hat Bruno Knust, den keiner Bruno nennt, scheinbar unbeteiligt an der Wand gelehnt und zugehört, was BVB-Trainer Thomas Tuchel bei seiner ersten Talkshow in Dortmund auf dem Podium so von sich gibt. Günna macht sich kurze Notizen auf einem Spickzettel; die müssen reichen. Und nun ab auf die Bühne und dem Neuen zeigen, wo es hier langgeht.

Erster Eindruck vom Trainer

Im Ruhrgebiet, wo die Grammatik schlecht, die Kodderschnauze zu Hause ist und Menschen wie Günna ihr Revier haben. Spontan, schlagfertig, improvisierend, witzig sowieso. Und immer frech, aber liebevoll und geradeaus, so wie echte Ruhris nun mal sind – und nicht anders können. Günnas erster Eindruck vom Trainer, quasi eine Schnellanalyse, die so oberflächlich, aber herzlich nur die Kumpel an der Ruhr beherrschen. Und deren Frauen natürlich, nur noch besser und bissiger.

Aber jetzt Originalton Günna: „Dat könnte passen mit Klopp sein Erbe und unsere Borussen, scheint ja ein ganz Netten mit richtig Ahnung zu sein.“ Sein erster Tipp für den Zugereisten: „Brauchst in der Fußgängerzone nur ‚Hömma!‘ rufen, schon drehen sich zehn Leute um und mindestens drei davon haben ein schlechtes Gewissen.“ Und natürlich kriegen auch die Schalker ihr Fett ab, sonst würde ja wat fehlen und der Thomas nicht wissen, wie der Erzfeind so lebt. „Gelsenkirchen ist so hässlich, die verkaufen dort Ansichtskatten von Recklinghausen.“ Die königsblaue Zugabe gibt’s gleich hinterher. „Trainersuche auf Schalke iss wie nachts anne Tankstelle: Am Ende reicht’s nur für’n Paderborner.“

Komm inne Gänge

Auswärtsspiel gewonnen, abends geht das Theater weiter. Im eigenen Theater an der Olpketalstraße, ohne öffentliche Gelder am Leben (Günna sagt „am Kacken“) gehalten, nur mit eigenen Mücken finanziert. Das betont Günna mindestens so häufig, wie er seinen Gag von der Titanic bringt. „Wir sagen immer, Hauptsache gesund. Von wegen. Auf der Titanic waren auch nicht alle krank.“ Komm inne Gänge, würde Günna nun sagen, aber noch steht Dortmunds Kult-Kabarettist nicht auf der Bühne, sein Publikum allerdings zum Vorglühen schon an der Theke im gemütlichen, urigen Vorraum, dem man ansieht, dass hier schon seit 1991 Gäste vor der Tür zum Innenraum Schlange stehen.

Stammbesucher, ganz nebenbei bemerkt ist das fast jeder, wissen nun mal: Feste Plätze gibt es bei Günna nicht; wer sich zuerst reindrängt, sitzt ganz vorne und nicht zehn steile Stufen höher, was allerdings durchaus auch Vorteile hat. Gäste, die in den ersten Reihen hocken, kriegen Licht von der Bühne und Pointen vom Chef ab. Tipp, diesmal vom Autor: Bloß nicht verliebt Händchen halten, zu laut und vorausschaubar nach jedem Witz gackern oder sich als Fan aus Herne-West outen. Oder – Höchststrafe – sich als Bayern-Sympathisant zu erkennen geben. Auf solche Opfer lauert Günna nur und klebt an ihnen bis zum letzten Lacher: „Derrick und der Kommissar spielten beide in München. Bayern ist daher seit meiner Kindheit die Wiege des Bösen.“

Erst Aula, dann Hörsaal

Brunos Kindheit, der kurze Rückblick muss sein, wenn wir auch mindestens zehn Gags verpassen: Wegen seiner Stimme musste der echte Dortmunder Junge, der wie Borussia am Borsigplatz geboren wurde, im Kindergarten das Gespenst oder den Zauberer spielen. In der Schule machte er Theater, war der Jüngste in einer Kabarett-Gruppe. Auswendig lernen, Texte ablesen, kannze vergessen. Bruno sprach lieber frei Schnauze und baute spontan Pointen ein, die sein Publikum zum Lachen brachten; in der Schulaula, später im Hörsaal, auf Straßenbühnen, im Kino. Im Kinderfilm „Bremer Stadtmusikanten“ spielte er den zweiten Räuber und lieh als Zugabe dem Esel seine Stimme.

Schnell zurück auf die Bühne, die rüberkommt wie die Manege eines Ruhrpott-Zirkus. Mit der bunt gemalten, bis zur Kitschigkeit schönen Dortmunder Skyline, aufgehellt durch leuchtende Reklameschilder; Günna, immer schon der Geschäftstüchtige, lässt grüßen. Mit dem kleinen Florianturm in der Ecke und dem kreisenden Licht an der Decke. Und mittendrin, tief verwurzelt, Günna, einer von uns, der gerade seiner Heimat eine Liebeserklärung macht. „Von den vielen hässlichen Fleckchen in Deutschland ist das Ruhrgebiet der schönste.“ Und schnell noch einen hinterher für die Gäste aus Winterberg, die vorne rechts sitzen: „Dat beste gegen Sonnenbrand? Ferien im Sauerland.“

Schwarzgelber Müllmann

Günna hat zugehört, ein Leben lang; beim Friseur, beim Arzt, in der Schlange vor der Fleischtheke, am liebsten im Stadion und an der Theke. Reichlich Stoff für Lacher im Günna-Tempo. Immer als Kabarettist, der weiß, wo die Bürokraten sitzen, nämlich im Rathaus; gerne als schwarzgelber Müllmann, als Angler am Kanal, als müder Macho auf dem Sofa, dem selbst der Weg zum Kühlschrank zu weit ist; soll doch lieber seine Herzdame die Flasche Bier holen. Gerade geht es um neumodische Namen: „Wenn Chantal-Isolde im Waldorfkindergarten ihren Namen tanzen muss, legt die sich ja schon beim Bindestrich auf die Fresse.“ Günna Knust, der Vielseitige. Als Puppenspieler machte er sich einen Namen, tourte durch Kindergärten, Schulen und Theater, im Fernsehen durch die Sesamstraße.

Er arbeitete als TV-Reporter bei Premiere und in der Fußballsendung „ran“, schenkte dem BVB die Hymne „Leuchte auf mein Stern, Borussia“ und die gleichnamige Jubiläums-Revue zum 100. Geburtstag. Als Stadionsprecher stand er mit dem Mikro vor der Südtribüne, zelebrierte die Aufstellung und ließ die Fans „You’ll never walk alone“ singen, überzeugt davon, dass ein guter Stadionsprecher „in einer Saison sechs bis neun Punkte für sein Team herausholen kann“. In seinem sehr eigenen, jede grammatikalische Regel missachtenden Ruhrpott-Günna-Stil philosophiert er in unserer Dortmunder Lokalausgabe jeden Samstag über den Alltag in seiner Stadt. Wer die Zeitung nicht hat, bekommt nachmittags vom Nachbarn am Gartenzaun die Kolumne vorgelesen.

Schöngetrunkene Auserwählte anlocken

Kurz vor dem Abpfiff. Schnell noch zu Kik. „Neulich hat mich en Autofahrer gefragt: Hömma Günna, wo geht’s denn hier nach Kik? – Zu Kik! – Wie? Ist schon nach 8?“ Dann Günna in seiner Paraderolle. Der Balztanz des paarungsbereiten Mannes auf der Ü-50-Party. Ermutigt von reichlich, später zu viel Dortmunder Bier, schwingt unser Tänzer überaus unbeholfen sein Hüftgold und versucht gleichzeitig völlig unkoordiniert, mit hektischen Armbewegungen die schöngetrunkene Auserwählte anzulocken. Dabei starrt er erst mit einem coolen, später gläsernen Blick ins Nichts und lässt das rechte Bein im Rhythmus des immer mehr aufkommenden Begehrens zucken. Beim Bierchen an der Theke wird er nach der Vorstellung erzählen, dass er für die neue Show vor dem Spiegel im Badezimmer den Moonwalk von Michael Jackson einstudiert. Keine Sorge, Günna, du kannz dat. Mach fettich.

Alle Vorstellungstermine bis Ostern 2016 sind im Vorverkauf. Eintrittskarten und Gutscheine gibt es unter Tel. 0231 / 532 000 20, auf www.guenna.de, im Service Center der Ruhr Nachrichten, Silberstraße 21 in Dortmund, sowie an allen bekannten VVK-Stellen.

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