Hoffen auf die Dogewo

Germania-Siedlung

Seit knapp zwei Wochen steht fest, dass die Deutsche Annington 40 Häuser in der Germaniasiedlung verkaufen will. Zwar prüft die Dogewo21 die Übernahme der Gebäude (wir berichteten), die Stimmung unter den Anwohnern an Caspar-Schulte-oder Teinerstraße ist trotzdem angespannt.

MARTEN

von Von Nils Heilmann

, 29.08.2011 / Lesedauer: 3 min

Dass sie trotz dieser Zusage demnächst nämlich ihre geliebte Wohnung in der Teinerstraße 9 verlassen muss, befürchtet etwa Vera Wolsing. Unter Tränen erzählt sie von ihren Ängsten: „Ich wohne erst seit drei Jahren hier, bin allein erziehend und habe mir kurz nach meinem Einzug einen Hund zugelegt. Wenn ich jetzt hier raus muss, finde ich doch niemals eine neue Bleibe“.Doch nicht nur dieses Problem beschäftigt die 53-Jährige. Dazu käme, dass sie sich in der Germania-Siedlung das erste Mal in ihrem Leben so richtig heimisch fühle. „Hier gibt es eine toll funktionierende Nachbarschaft. Man hilft sich gegenseitig“, sagt sie. Sie selbst lade regelmäßig ihren älteren und allein stehenden Nachbarn zu Weihnachten und Silvester ein, was der ältere Herr mit einem Kopfnicken bestätigt.

In einer ganz ähnlichen Situation wie Vera Wolsing befindet sich auch Brigitte Cofala. Sie wohnt erst seit zwei Jahren in der Caspar-Schulte-Straße 28 und glaubt, dass sie wohl demnächst auch wieder ausziehen muss. „Ich habe schon ein wenig das Gefühl, dass ich hier vertrieben werden soll“, fühlt sie sich durch die Verkaufsankündigung unter Druck gesetzt, versucht aber möglichst gelassen zu bleiben: „Ich warte erste einmal ab, was passiert. Kommt es hart auf hart, ziehe ich halt wieder um.“ Sie sei da noch ziemlich flexibel, daher gilt ihre Sorge auch eher älteren Mitbewohnern wie Käte Burmeister. Die 84-jährige Mieterin befürchtet nämlich trotz lebenslangen Wohnrechts, dass sie nach über 60 Jahren aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden könnte. „Dabei gibt es doch das Sprichwort: Alte Bäume soll man nicht mehr verpflanzen.“ 

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