Hoffmann deutet "Heinrich IV." um

Ruhrfestspiele

Nach einem Sturz vom Pferd bleibt ein Mann in der Rolle gefangen, die er für den berittenen Maskenzug als Verkleidung wählte: Er hält sich für Mussolini. 20 Jahre tragen seine Diener die faschistische Uniform und bestärken den Wahnsinnigen, er sei Italiens Diktator.

RECKLINGHAUSEN

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 11.05.2014, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Hoffmann deutet "Heinrich IV." um

Rudolf Kowalski und Anne Moll

Der Duce, nicht "Heinrich IV.", wie der Dreiakter von Luigi Pirandello (1867 -1936) betitelt ist: Frank Hoffmanns Inszenierung bei den Ruhrfestspielen hält die Umdeutung (wohl mit Blick auf Pirandellos Sympathie für Mussolini) aus, ohne den Kern des Stückes zu beschädigen. Hier ist es der "Hexenmeister aus Braunau", der den "Duce" in Panik versetzt, sein Hofstaat maskiert sich als Graf Ciano und Leni Riefenstahl.Prächtiges Mussolini-Double  

Rudolf Kowalski liefert eine prächtig komödiantische Vorstellung als Mussolini-Double, in Großmanns-Gestik, Mimik, Sprache. Als charismatische Zentralfigur beherrscht er die Bühne, meistert auch die Volte, die Pirandello ihm zudachte: Der Mann ist durchaus bei Trost.

Er spielt verrückt vor Verrückten, all den Herdenmenschen, die wiederkäuen und nachplappern, nicht merkend, dass sie in Zwangsjacken aus Konvention und vorgefertigter Meinung stecken, ihr Leben eine Maskerade.

Eine Posse mit Hintersinn und Tiefgang. Schöne Kostüme (Jasna Bosnjak) und ein tolles Bühnenbild von Ben Willikens mit Anklang an die Architektur des Faschismus. Sehenswert.

 

Termine: 12./13./14.5.; Karten: Tel. (02361)921 80.