Hoffmann unter Hippies

Oper in Osnabrück

OSNABRÜCK „Hoffmann gibt’s hier nicht“, sagt der neue Mieter der Wohnung, in der zuvor der Dichter E.T.A. Hoffmann seiner geliebten Sängerin Stella nachgetrauert hat.

von Von Heiko Ostendorf

, 16.01.2011, 15:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch mit der schönen Giulietta (Sabine Ritterbusch) wird Hoffmann (Bernardo Kim) nicht glücklich.

Auch mit der schönen Giulietta (Sabine Ritterbusch) wird Hoffmann (Bernardo Kim) nicht glücklich.

Nur der dritten Akt gerät Fioroni zu langatmig. Es ist die Geschichte, in der sich Hoffmann in die kranke Sängerin Antonia verliebt, deren Singen ihren sicheren Tod bedeutet. Die getragenen Schauspielszenen, die über Mikrofone mit gespenstischem Hall versehen werden, sind eine Herausforderung für die Konzentrationsfähigkeit. Doch ansonsten erfüllt Fioroni mit seiner lebhaften Inszenierung ganz die Erwartungen und verlegt die Olympia-Episode gar in die wilden Hippie-Jahre, in die Hoffmann als biederer Schreiberling platzt. Später ist er dann der coole Künstler – in Trainingshose, kombiniert mit Sakko und viel Kajal unter den Augen (Kostüme: Annette Braun). So arbeitet sich Bernardo Kim in der Titelrolle stets tieftraurig durch die Zimmer seiner Wohnung, die die Drehbühne beherbergt (Bühne: Paul Zoller). Kim meistert seine Partie mit viel Leidenschaft und klaren Melodiebögen. Seine düsteren Widersacher sind bei Genadijus Bergorulko (in der Vierfachrolle Lindorf, Coppelius, Mirakel, Dapertutto) tief donnernde Schufte, deren Erscheinen Gänsehaut provoziert. Von den drei Frauen zeigt Ani Taniguchi als mechanische Puppe Olympia am meisten Spielfreude, wenn sie sich immer wieder zu den rasenden Koloraturen hinaufschaukelt.

Natalia Atamanchuk als Antonia und Sabine Ritterbusch als Giulietta, die Hoffmanns Spiegelbild stiehlt, schmeicheln mit viel Volumen den Ohren. Doch Mezzosopranistin Eva Schneidereit ist mit ihren mal frechen, mal anmutigen Passagen als Muse der heimliche Star des Abends. Genauso wie das von Hermann Bäumer glänzend geführte und perfekt mit der Inszenierung harmonierende Orchester.