Homo Hans sucht das Glück

Kammerspiele Bochum

Liegt das Glück in der Freiheit? Ist ein Mensch erst frei, wenn er sich von allem befreit hat? Das von den Brüdern Grimm überlieferte Märchen "Hans im Glück" stellt diese Fragen. Autor Reto Finger hat es für das Schauspielhaus Bochum auf unsere Zeit übertragen.

BOCHUM

, 19.04.2015, 12:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Homo Hans sucht das Glück

Florian Lange (2.v.r.) spielt den Glückssucher in Fingers Märchenbearbeitung »Hans im Glück«.

Florian Lange, der im Zentrum von Barbara Bürks Inszenierung in den Bochumer Kammerspielen steht, ist beides: Der Hans aus dem Märchen, der seinen Klumpen Gold so lange gegen scheinbar wertlosere Güter tauscht, bis er gar nichts mehr besitzt.

Und der moderne "Homo Hans", der den Karriereversprechungen der Managermagazine glaubt, seine Festanstellung kündigt und mit einer App-Entwicklung durchstarten will.

Rückzug

Anders als Märchen-Hans, der in aller Einfalt seinem Weg folgt, ist Homo Hans verstrickt in die Verhältnisse. Er versucht, die an ihn gestellten Ansprüche zu erfüllen, rennt unklaren Glücksversprechen hinterher. In der Rolle des schwitzenden, hechelnden, vom Leben überrumpelten Menschen, ist Florian Lange ganz in seinem Element.

Finger schreibt seiner Figur eine symbolträchtige Krankheit auf den Leib: Er verliert Wasser aus allen Poren - als würde ihm das Leben, die Lebendigkeit selbst aus dem Körper fließen. Gleichzeitig sind ihm die Pfützen peinlich, die er hinterlässt und die der Zuschauer nie sieht - wie ein psychisches Leiden.

So zieht er sich bald auf sich selbst zurück. Am Ende ist Hans ein Weiser in einer Höhle, einer, der dem Rauschen des Flusses lauscht - ein Wiedergänger von Hesses Siddhartha also. Er findet sein Glück und die Anderen zerreißen sich das Maul.

Stationendrama

Die mit dem Faust ausgezeichnete Regisseurin Bürk hat das Stück in Stationen inszeniert, die sie mit denen des Märchens rückkoppelt. Viele Szenen sind herrlich komisch - zum Beispiel, wenn Bernd Rademacher eine alternde Lehrerin mit wunderlichen Manierismen spielt.

Manchmal gerät die Inszenierung durch ein wunderbar choreografiertes Ensemble ins Schweben. Zum Ende der rund 95 Minuten hin kommt dem Bilderreigen jedoch ein wenig der Zusammenhalt abhanden. Die Suche nach dem Glück wirkt dann wie eine schale Nummernrevue.

Termine: 25./29.4.; Karten: Tel. (0234)33335555.