Horrorclowns schockieren eine Kleinstadt

"Es" im Kino

Stephen Kings „Es“ sorgt seit 30 Jahren dafür, dass ganze Generationen Alpträume von grinsenden Clowns haben. Heute läuft die Neuverfilmung in den deutschen Kinos an, die in den USA Kassenrekorde gebrochen hat. Wir sagen, ob sich die Neuverfilmung wirklich lohnt und laden zum großen Experten-Quiz ein.

DORTMUND

von Von Christian Fahrenbach

, 26.09.2017 / Lesedauer: 3 min
Horrorclowns schockieren eine Kleinstadt

Bill Skarsgard schockt als Grusel-Clown Pennywise.

Das weit aufgerissene Gebiss aus „Der Weiße Hai“, der Holzschlitten vom Ende von „Citizen Kane“, die Laserschwerter aus „Star Wars“: Filmemachern gelingt ein riesiger Coup, wenn sofort alle Betrachter beim Anblick eines einzelnen Motivs wissen, welcher Film gemeint ist. Wer einen roten Ballon sieht, der denkt an einen gruseligen Clown. Pennywise heißt er und ist die Hauptfigur in Stephen Kings „Es“.

Nach der TV-Verfilmung vor gut 25 Jahren kommt der Bestseller nun in zwei Teilen in die Kinos. In den USA hat die Verfilmung des 31 Jahre alten und im Original rund 1100 Seiten starken Buchs Rekorde gebrochen. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe von Teenagern in der Kleinstadt Derry im Bundesstaat Maine der späten 80er-Jahre.

Zeitgeist und Tradition

Zu Beginn ermordet der gruselige Clown den sechsjährigen Georgie Denbrough, einige Monate später versucht dann eine Gruppe von Teenagern, angeführt von Georgies Bruder Bill, den Tod und weitere mysteriöse Geschehnisse in Derry aufzuklären. Dabei merken sie schnell, dass sie sich ihren schlimmsten Ängsten stellen müssen, um die Taten des seit Jahrhunderten mordenden Clowns zu verstehen.

Ignorante, behäbige Erwachsene in einer klaustrophobischen Kleinstadt, arrogante Schulhofrüpel und ein halbes Dutzend Teenagerrollen mit den üblichen Charakterzügen vom „dicken Nerd“ bis zum „heißen Mädchen“: Die Liste üblicher Horror-Klischees ist auch in „Es“ lang. Trotzdem funktioniert der Film wegen seiner gelungenen Mischung von Zeitgeist und traditionellen Motiven.

Kampf gegen den Schrecken

„Es“ knüpft in Ästhetik und Thematik an Stoffe wie die Netflix-Serie „Stranger Things“ an. Andererseits behandelt der Schocker genug universelle Themen: Einsamkeit, Kampf gegen Schrecken, die Erwachsene nicht wahrnehmen wollen und die zerstörerische Angst, die Macht über uns bekommt, wenn wir uns ihr nicht stellen.

Trotzdem ist Andrés Muschiettis King-Verfilmung nicht perfekt. Mit 135 Minuten gerät „der Film im Computer-Effekte-überladenen letzten Drittel zu lang, und nicht alle Gags der solide agierenden Teenagerriege zünden. Dennoch schafft Muschietti mit diesem ersten Kapitel seiner zweiteiligen Verfilmung eine der besten King-Adaptionen der vergangenen Jahrzehnte – vor allem deshalb, weil er neben ausgiebigen Schockeffekten auch in den Teilen überzeugt, die vom schwierigen Heranwachsen von Teenagern in der Provinz handeln.

Kritik der Klinik-Clowns

Als „unerträglich“ haben Klinik-Clowns „Es“ kritisiert. Das Clown-Monster Pennywise sei mit seinem Sadismus das abgrundtief Böse schlechthin, beklagte Kathrin Schnelle, Vorsitzende des Vereins Klinik-Clowns Hamburg. Dieses „Zerrbild des Clowns“ erschwere ihre Arbeit.