Hospiz-Bewohner bekommt letzten Wunsch erfüllt

Hobby-Fotograf

Friedrich Lauf spricht Klartext: "Natürlich dürfen Sie über meine Krebserkrankung schreiben. Darum bin ich doch hier." Hier – das ist das Hospiz St. Elisabeth, seit sechs Wochen das Zuhause des 79-Jährigen. Und der Ort, wo sich für den Hobby-Fotografen ein letzter Herzenswunsch erfüllt hat.

BÖVINGHAUSEN

, 24.03.2017 / Lesedauer: 3 min
Hospiz-Bewohner bekommt letzten Wunsch erfüllt

Friedrich Lauf mit Sozialarbeiterin Christiane Fricke (l.) und Hospiz-Leiterin Anja Kämper bei der Vernissage.

Friedrich Laufs Herzenswunsch: eine letzte Ausstellung mit seinen Lieblings-Fotos. „Wir wollen ihn damit ehren“, sagt Sozialarbeiterin Christiane Fricke. Sechseinhalb Jahre hat der Konditormeister aus Castrop-Rauxel gegen den Krebs in seinem Körper gekämpft. „Bergmannsheil, Josef-Hospital, dann kam ich zum Palliativ-Doktor.“

Aber mit seiner Krankengeschichte möchte sich der Hospiz-Gast nicht aufhalten. Seine Bilder an den Wänden im Flur, die vielen Menschen, die zur Vernissage gekommen sind – das alles bewegt und rührt ihn. Friedrich Lauf wirkt zufrieden. Glücklich beinahe.

Es gibt nur acht Nägel

Die Ausstellung, erzählt er, habe er zusammen mit Christiane Fricke ausgeheckt. Die Auswahl sei ihnen schwergefallen. „Es gibt nur acht Nägel an den Wänden im Flur, also durften wir auch nur acht Rahmen aufhängen.“ Aber Christiane Fricke habe ein gutes Auge, sagt Lauf, schließlich sei ihr Vater auch Fotograf gewesen.

Alle 16 Bilder stammen aus dem Jahr 2004. Der Hobbyfotograf ist mal wieder zu Besuch im Schweizer Kanton Appenzell. Natürlich mit seiner Leica, mittlerweile hat er die „R8“. Auch dabei: ein Tele-Objektiv bis 200 Millimeter Brennweite. „Ich habe immer verdeckt gearbeitet.“

"Auf dieses Motiv habe ich drei Stunden gewartet"

Weit über 100 Bilder schießt der Autodidakt an diesem Tag. In dem kleinen Dorf herrscht reges Treiben, eine Tierschau lockt viele Bewohner in Originaltrachten an. „Auf dieses Motiv habe ich drei Stunden gewartet.“ Lauf zeigt auf einen Senner, vertieft in ein Gespräch und mit der typischen Appenzeller Pfeife im Mund. „Diesen Charakterkopf wollte ich unbedingt fotografieren. Aber der Mann war dauernd in Bewegung.“

Die größte Herausforderung sei für ihn stets gewesen, im richtigen Moment zuzuschlagen. „Die schließen gerade ein Geschäft ab“, sagt er über den Handschlag der beiden Männer auf der Farbfotografie. Es sind einzigartige Porträts, meint Christiane Fricke.

Geschichten 

Zu jeder Aufnahme kann Friedrich Lauf Geschichten erzählen. Über Land und Leute. Sie vermischen sich mich persönlichen Erinnerungen aus seinem Leben, das zwischen Hobbyfotografie und Konditorei pendelte. Vorträge und Austellungen, Bühnen-Auftritte als musikalischer Bäcker, Anstellungen als Konditor und Chef-Patissier, Foto-Kurse bei Professor Harald Mante an der Alten-Akademie, seine Mitgliedschaft im Fotoclub Castrop-Rauxel: Friedrich Lauf ist kaum zu bremsen.

„Ich habe so viel gearbeitet, für eine Frau oder gar Heirat hatte ich gar keine Zeit“, sagt er. Treueste Begleiterin war seine Leica. 40.000 bis 50.000 Fotos habe er damit geschossen – die 1000 besten seien mittlerweile digitalisiert. „Mir ist es wichtig, dass alles geordnet ist. Mein Bruder löst gerade meine Wohnung auf.“ Von seinem geliebten Hobby musste sich Friedrich Lauf 2013 trennen. „Es ging einfach nicht mehr. Meine Krankheit hat mein Leben komplett umgekrempelt.“

Im Hospiz

St. Elisabeth gibt es zwölf Plätze für schwerstkranke Menschen. Sie werden hier liebevoll Gäste statt Patienten genannt. Das Haus im Grünen liegt an der Bockenfelder Straße 237 in Bövinghausen. Besucher sind willkommen und können sich die Foto-Ausstellung täglich zwischen 10 und 17 Uhr anschauen.