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Huckarder Hydro-Traum endete schnell

HUCKARDE Für die Kumpel der letzten Schachtanlage im Dortmunder Westen war es nach den vielen Zechen-Stilllegungen ein Hoffnungsschimmer am düsteren Kohlen-Himmel, als vor 30 Jahren "Hansa" in Huckarde in dreijähriger Vorarbeit mit einem Kostenaufwand von 120 Mio. DM als erstes Bergwerk in Westeuropa zur Hydro-Grube umgerüstet wurde. Doch der Traum von der zukunftsträchtigen "Grube" endete schnell.

von Von Karlheinz Bohnmann

, 27.11.2007
Huckarder Hydro-Traum endete schnell

Auch der damalige Ministerpräsident Johannes Rau (M.) besuchte Huckarde, um sich die scheinbar zukunftsträchtige Anlage anzuschauen.

Die Kumpel rechneten für längere Zeit mit sicheren Arbeitsplätzen. Die wurden auch bei der offiziellen Eröffnung der Anlage am 26. November 1977 in den Ansprachen versichert: Aus 850 Meter Tiefe sollten bei einer Tagesförderung von 3500 Tonnen Steinkohle insgesamt 17,5 Mio. t der "schwarzen Diamanten" hydromechanisch mit 100 bar (= 100 atü) aus dem Flöz herausgespritzt und nach Übertage gefördert werden.

Kohle für 17 Jahre

Der Kohlevorrat, so hieß es, reiche für 17 Jahre. In den ersten zehn Jahren waren davon 8,5 Mio. Tonnen für die Koksgewinnung vorgesehen. Für die Belegschaft (der konventionelle Förderbetrieb war am 1. Oktober 1977 eingestellt worden) wurden durch den Betrieb der Hydro-Grube 1770 Arbeitsplätze geschaffen.

In die allgemeine Euphorie mischten sich aber auch schon erste vorsichtige Töne: Zwar habe beim vorauf gegangenen Probebetrieb auf "Hansa" der Kohleabbau per Wasserwerfer und der Transport per Pipeline grundsätzlich funktioniert, aber es dürfe nicht vergessen werden, dass es sich noch um eine Demonstrationsanlage handeln würde, und dass noch eine Reihe von Problemen gelöst werden müssten, bevor die Hydrotechnik im Steinkohlenbergbau an der Ruhr auf breiter Basis angewendet werden kann. Wie wahr, wie wahr!

Denn gleich nach der Inbetriebnahme traten geologische Probleme auf. Sie sollten von nun an den weiteren Fortgang begleiten. Hinzu kam auch hoch giftiges Grubengas. Bald stand dann auch fest, dass das geplante Fördersoll nicht eingehalten werden konnte. Unter den Kumpeln kursierte gar bald der Spruch: "Wenn jeder von uns nur seinem Helm voll Kohle nach oben transportieren würde, würde mehr gefördert, als mit der Wasserkraft."

Unrentabel

Noch mehr überschattet wurde die Situation, als sich am 22. März 1979 auch noch eine Kohlenstaub-Explosion ereignete, bei der sieben - Bergleute den Tod fanden Acht konnten sich retten. Es war übrigens das letzte Grubenunglück in Dortmund.

Bei der Ruhrkohle erkannte man schließlich: Der Wasser-Abbau ist unter den geologischen Bedingungen unrentabel. Am 9. Februar wurde der Belegschaft in einer Betriebsversammlung mitgeteilt, dass der Betrieb der Hydro-Grube planmäßig eingestellt werde. Am 28. November 1980 wurde die Kohlenförderung dann endgültig eingestellt.

Statt nach 17 Jahren war der millionenteure Traum von der Kohlegewinnung per Wasserkraft bereits nach drei Jahren und zwei Tagen endgültig vorbei.