Hund reißt trächtiges Reh im Niederhofer Wald

Jäger ärgern sich über Halter

Als ein Anwohner des Niederhofer Waldes am Sonntagmorgen draußen seine Blumen gießen wollte, machte er eine traurige Entdeckung. Vor dem Zaun lag ein totes Reh. Das Genick gebrochen, aus seiner Kehle lief noch Blut. Es wurde tot gebissen. Für Jagdpächter Harald Giese besteht kein Zweifel: von einem Hund.

HÖRDE

, 12.04.2017, 11:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jagdpächter Harald Giese  und sein Sohn Stefan Giese  mit der toten Ricke. Sie war trächtig mit zwei Kitzen. Ein Hund hat ihr in die Kehle gebissen und das Genick gebrochen.

Jagdpächter Harald Giese und sein Sohn Stefan Giese mit der toten Ricke. Sie war trächtig mit zwei Kitzen. Ein Hund hat ihr in die Kehle gebissen und das Genick gebrochen.

Die Beute des Hundes war eine trächtige Ricke mit zwei Kitzen im Bauch. Gieses Sohn Stefan, Jagdaufseher für das Revier, packte sich das tote Reh ins Auto, fuhr zur Polizeiwache in Hörde und erstattete Anzeige. Gegen Unbekannt. Erst wenige Tage zuvor hatten Zeugen von einem anderen Reh berichtet, das Schäden an den Hinterläufen hatte. „Vermutlich wurde es auch gehetzt und gebissen. Ein Wildunfall mit einem Auto in der Gegend ist bei der Polizei nicht bekannt“, berichtet Harald Giese.

Er ist traurig, aber vor allem erbost: „Sie können immer wieder an die Leute appellieren, ihre Hunde anzuleinen. Es wird nicht gemacht. Man bekommt immer wieder nur zur Antwort: ‚Mein Hund macht das nicht‘.“

Eigens Schilder aufgestellt

Dabei hatte Heinrich Rüping, der das Jagdrevier gemeinsam mit Harald Giese gepachtet hat, eigens an den Rändern Warnschilder aufgestellt: „Nur die Leine rettet Leben“. „Die Halter stehen da drunter und nehmen ihre Hunde von der Leine“, sagt Harald Giese. Eines der Schilder sei sogar fast runtergestoßen worden. Im vergangenen Sommer, erinnert sich der Jagdpächter, habe er am Ellberg (Nähe Overkamp) ein Rehkitz aus dem Gebüsch springen sehen, zehn Meter dahinter eine Bulldoge. Er habe den Leuten erklärt, dass der Hund an die Leine gehöre. „Es hat zehn Minuten gedauert, bis sie es geschafft haben, den Hund anzuleinen.“

Am Sonntag war Stefan Giese in Oespel unterwegs. Dort kamen zwei Golden Retriever aus einer Dornenhecke, in der Hasen und Fasane gern liegen. Der Jagdaufseher sprach die Frau an. Als Antwort bekam er zu hören: „Hau ab, du doofer Pisser.“ – „Irgendwann verliert man da als geduldigster Mensch seinen Humor“, sagt dazu Vater Giese.

Nachstellen reicht schon

Das Problem sei nicht der Hund, betonen Vater und Sohn. Der folge nur seinen Instinkten. Das Problem sei die Verantwortungslosigkeit der Halter. Vielen sei auch nicht bewusst, dass ein Hund, wenn er Wild hetzt, diesem nachstellt oder es fängt, als wildernd gelte und nach dem Gesetz zu erlegen sei. Schon wenn der Hund mit der Nase auf der Erde die Witterung aufnehme, loslaufe und suche, sei das ein Nachstellen. In einem Runderlass des NRW-Umweltministers heißt es zudem, „der Abschuss wildernder Hunde im Rahmen des Jagdschutzes liegt im Interesse des Naturschutzes“.

Er könne gar keinen Hund erschießen, sagt Harald Giese. Er hat selbst mehr als 40 Jahre Hunde gehabt. Sein Sohn hat zwei. Doch im Sinne des Tierschutzes könne es nicht so weitergehen. Es gebe deshalb bereits einen Termin mit der Unteren Jagdbehörde.

Bis zu 50.000 Euro Bußgeld

Auch das Ordnungsamt soll eingebunden werden; denn seinen Hund in einem Jagdbezirk unbeaufsichtigt und ohne die Möglichkeit direkter Einflussnahme laufen zu lassen, ist nach dem Landesjagdgesetz eine Ordnungswidrigkeit, für die man ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro riskiert – und das Leben seines Hundes.

Kritikern, die durch solche Vorfälle wie mit der tot gebissenen Ricke eine Art „Tötungskonkurrenz“ zu den Jägern „wittern“, halten Gieses entgegen, der finanzielle Verlust sei „das geringste Übel“. Es gehe hier um das Wohl der Tiere, die durch die Hunde erheblich gequält würden; denn Hunde würden nicht gezielt töten.

„Das ist höchst grausam“

Von einer Hundehalterin musste sich Harald Giese sagen lassen: „Ihr schießt die ja auch und trefft auch nicht immer richtig.“ Dazu sagt sein Sohn: „Ich hätte niemals eine tragende Ricke geschossen. Das ist höchst grausam.“ Das Fleisch der toten Ricke ist noch nicht mal als Hundefutter zu verwerten. Harald Giese: „Dieses Fleisch steckt voll Adrenalin. Wir müssen das Tier beerdigen.“

Laut Landschaftsgesetz NRW sind alle Hunde so zu halten, zu führen und zu beaufsichtigen, dass von ihnen keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht. Im Wald und auf Feldwegen dürfen Hunde zwar frei laufen, müssen aber auf den Wegen bleiben. Generelle Anleinpflicht besteht aber in folgenden Dortmunder Naturschutzgebieten: Beerenbruch, Groppenbruch, Mengeder Heide, Mastbruch, Im Siesack, Auf dem Brink, Lanstroper See, Alte Körne, Ölbachtal, Dellwiger Bachtal/Deipenbecker Wald, Hallerey, An der Panne, Steinbruch Schüren und Ruhrsteilhänge Hohensyburg.
Für große Hunde (ab einer Widerristhöhe von 40 Zentimetern oder 20 Kilo Körpergewicht) und für nach dem Landeshundegesetz gefährlich eingestufte Hunde gilt eine generelle Anleinpflicht.

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