„Hunger“ beendet einen Theatermarathon

Ruhrtriennale

Es ist vollbracht. Im dritten Jahr hintereinander hat Regisseur Luk Perceval die „Trilogie meiner Familie“ bei der Ruhrtriennale nun abgeschlossen. Nach „Liebe“ und „Geld“ hatte am Donnerstag „Hunger“ in der ehemaligen Gießhalle des Landschaftsparks Duisburg-Nord Premiere. Am kommenden Wochenende kann sich das Publikum die volle Theaterdröhnung geben: Alle drei jeweils zwei Stunden langen Teile werden dann an einem Tag zu sehen sein.

DUISBURG

von Karsten Mark

, 08.09.2017, 14:42 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Hunger“ beendet einen Theatermarathon

„Hunger“ bildet den Abschluss der „Trilogie meiner Familie“ von Regisseur Luk Perceval. Foto: Smailovic/ Ruhrtriennale

Ausgiebige Pausen sind bei diesem Marathon eingeplant – und die Zuschauer werden sie brauchen. Denn ein Zurücklehnen und sich berieseln Lassen ist bei diesem gemeinsamen Projekt von Ruhrtriennale und Thalia Theater Hamburg nicht möglich.

Jede Menge Text



Ganze 20 Bände des Romanzyklus‘ „Die Rougon-Macquart“ von Émile Zola hat Perceval auf sechs Stunden Bühnenhandlung verdichtet. Das bedeutet vor allem: Jede Menge Text und parallele Handlungsstränge werden dicht und oft temporeich miteinander verwoben.

Zwar gelingt dem Regisseur und seinem exzellenten Ensemble dies erstaunlich gut nachvollziehbar und konsistent. Momente der Unaufmerksamkeit aber verzeiht diese inhaltspralle Montage kaum. Den Zuschauer zwei Stunden am Stück bei der Stange zu halten, war für Perceval indes nie ein Problem; das gilt auch für „Hunger“.

Starke Leidenschaften



Alle Figuren sind getrieben von starken Gefühlen und Leidenschaften. Das macht sie interessant und mitreißend. Im letzten Teil reicht das Spektrum bis zum Sexualmörder, der mit sich ringt und die eigenen Triebe bekämpft.

Sex ist überwiegend eine Frage von Macht und Gewalt im armen Bergarbeitermilieu, in dem „Hunger“ überwiegend spielt. Es ist die soziale Ungerechtigkeit, die bei den Frauen als schwächstem Glied im Machtgefüge als Missbrauch und Prostitution ankommen. Der Mensch ist eine Bestie, glaubte der Naturalist Zola. Und so sind seinen Figuren auch keine glücklichen Ausgänge ihrer Lebensgeschichten beschieden. „Am Ende“, so heißt es im Stück, „ist der Bergarbeiter immer der Gelackmeierte.“

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