"Ich Ich Ich" ist ein Spiel mit Lügnern, Heuchlern und Intriganten

Ruhrfestspiele

Nichts gegen Boulevard-Komödien, aber gepflegt müssen sie sein. Warum das Festival nicht mit leichter Kost beginnen, mit einer Posse, die sich auch als Kommentar zur Egomanie in der „Geiz ist geil“-Gesellschaft lesen lässt?

RECKLINGHAUSEN

, 04.05.2015, 14:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Ich Ich Ich" ist ein Spiel mit Lügnern, Heuchlern und Intriganten

Mit der Komödie "Ich ich Ich" von Eugène Marin Labiche sind die 69. Ruhrfestspiele am Sonntagabend in Recklinghausen eröffnet worden.

Mit Eugène Marin Labiches „Ich Ich Ich“ eröffneten am Sonntag die Ruhrfestspiele. 1864 in Paris uraufgeführt, verhandelt das Lustspiel Themen wie Eigenliebe und Spekulantentum, beide so hemmungslos, dass die Figuren sich an der Grenze zur Karikatur bewegen. Es weht also ein leichter Wind von Klamotte durch Martin Kusejs Inszenierung vom Münchner Residenz Theater.

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Nicht weiter schlimm, weil das Stück durchaus elegant am groben Klamauk vorbei balanciert und jederzeit gut unterhält. Da sind Tempo und Zug drin. Selbst wenn die Spritzigkeit von „Screwball“-Komik nicht erreicht wird, bringt uns das immer wieder zum Kichern. Amüsant, wie der Bonvivant Dutrécy (gut: Markus Hering) sein süßes Leben organisiert. Duschbad, Frühstück, Zigarre, dann zu den Geschäften.

Ein Windhund

Der feine Herr macht in Immobilien. Seinem Arzt lügt er die Hucke voll, um ihm ein Grundstück abzuluchsen, das im Wert steigen wird. Dutrécys Geschäftspartner (Oliver Nägele) erweist sich als Windhund vom gleichen Schlag. Die Welt dieser Raffkes und Daffkes ist im Lot. Bis Dutrécy seine Nichte Thèrèse (Nora Buzalka) mit dem Sohn eines Bankiers verheiraten will.

Denn erstens ist sein Neffe in Thérèse verknallt, und zweitens entwickelt Dutrécy eine Neigung zu dem jungen Ding, das die Kerle um den Finger zu wickeln weiß. Ein amouröses Tauziehen mit vier Parteien. Jeder hat seine Interessen, keiner ist so abgefeimt wie der Heuchler und Geizkragen Dutrécy.  

Slapstick-Einlagen  

Der Mann ist eine Ich-Maschine, die trickst und betrügt und am Ende selbst geleimt wird. Der Weg dahin ist gepflastert mit kleinen Slapstick-Einlagen, das Ensemble beherrscht das nuancierte Chargenspiel und münzt selbst Allerwelts-Gags in Lacher um. Viel Applaus für diesen kurzweiligen Intrigantenstadl.  Kai-Uwe Brinkmann

Termine: : 5., 6., u. 7.5. um 20 Uhr im Großen Haus. Karten: Tel. (02361) 92 18 0.
 

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