Im Ballett „Ein Mittsommernachtstraum“ fliegt ein Tänzer in die Luft

rnBallett Dortmund

Das Ballett „Ein Mittsommernachtstraum“ von Alexander Ekman ist eine Tanzsensation. Der Choreograf hat sie mit dem Dortmunder Ballett einstudiert. Die Premiere war ein bildmächtiger Abend.

Dortmund

, 23.02.2020, 14:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Mittsommernachtsfest gehört zu Schweden wie Köttbullar und Billy. Der schwedische Star-Choreograf Alexander Ekman feiert den „Mittsommernachtstraum“ als ausgelassenes Spektakel. Am Samstag erlebte die Tanzsensation, die seit ihrer Uraufführung 2005 in Stockholm eine Ikone des Balletts ist, ihre Deutsche Erstaufführung im Dortmunder Opernhaus. Das Publikum überschüttete das in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Fest des Tanzes mit Ovationen.

In eine Schlacht im Heu taucht der Tänzer ein, der schon vorn am Bühnenrand im Bett träumt, wenn das Publikum den Saal betritt. Das Bett verschwindet danach im Orchestergraben, der immer mal wieder teilweise geöffnet und bespielt wird – so wie auch die Hebe- und Senkbühnen – für ein Ballett ungewöhnlich – exzessiv genutzt werden. Die sechs Musiker präsentieren die Musik von Mikael Carlsson, die in enger Abstimmung mit dem Choreografen komponiert worden ist, vom hinteren Teil der Bühne; Sängerin Hannah Tolf wird auch zur schauspielenden Akteurin zwischen den Tänzern.

Tänzer prosten Publikum mit Trinkliedern zu

Der erste Teil der rund zweistündigen Aufführung ist noch mehr als der zweite ein Tanz-Theater. – Mit Betonung auf Theater. Die 30 Tänzer der Dortmunder Compagnie und des NRW-Junior-Balletts sind auch Schauspieler und Sänger – und alles drei machen sie fantastisch.

Lustvoll und kraftvoll ist die Orgie im Heu, mit der die Bühne am Anfang bedeckt ist (Hinweis für Heuschnupfen-Geplagte: Das Theater verwendet kein echtes Heu, sondern einen anti-allergenen Bast). Unter einem Maibaum aus Stroh tanzt die Compagnie ausgelassen traditionelle schwedische Reigen und prostet dem Publikum mit Trinkliedern zu. Skal! Das alles ist mitreißend, lässt staunen und macht Lust auf einen Besuch im Bullerbü- Schweden in der Mittsommernacht.

Kopflose Männer geistern über die Bühne

Filmisch wirkt Ekmans Choreografie – auch in der Szene im Gewitter und an der langen Tafel. Zum Tischdecken könnte man die Compagnie zu Hause gut gebrauchen – so fix (und anmutig) hat noch nie jemand für 30 Personen gedeckt. Beeindruckend viel Energie und Tempo haben dieses Bilder bis zu dem Moment, in dem die ganze Tafel – samt Tänzer Dann Wilkinson – zu Beginn des zweiten Teils in die Luft fliegt.

Danach wird‘s ruhiger, mystischer, fantastischer, wenn skurrile Wesen wie kopflose Männer und Fische mit offenen Mäulern über die Bühne geistern. Im zweiten Teil steht aber auch der Tanz mehr im Vordergrund. Es gibt einen hinreißende Pas-de-deux in Zeitlupe mit wahnsinnig viel Körperspannung und originelle Massenszenen, in denen die Tänzer wie die Lemminge über die Bühne spazieren.

Ein Traum-Ballett

Ein bisschen erscheint der zweite Teil wie angepappt an den ersten Teil, der folkloristischer ist. Das Ende ist Tanz-Magie, ein Traum-Ballett, das man wahrscheinlich besser versteht, wenn man die schwedischen Riten besser kennt. Am Schluss ist im Fluge wieder ein Jahr vergangen, und die große Uhr über die Bühne zeigt den 19. Juni 2015 an. Ein neuer Mittsommernachtstraum beginnt – in Dortmund noch neun Mal. Und jedes Mal wird man wieder Neues entdecken.

Termine: 27. / 28. 2., 8. / 20. / 28. 3., 3. / 15. 5. /5. / 24. 6.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22 oder www.theaterdo.de
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