Im "Bermudadreieck" suchen Karl May und Mr. Ripley das perfekte Leben

Theater unter Tage

BOCHUM Verschwinden und wieder als jemand anders auftauchen, sich einfach neu erfinden - dieser unserer Sehnsucht gibt John Birke in seinem Stück "Bermudadreieck" Raum. Karl May und Tom Ripley machen den Zuschauern im Theater unter Tage vor, wie es geht.

von Von Ronny von Wangenheim

, 25.11.2009, 14:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Martin Bretschneider (l.) und Christoph Jöde sind in »Bermudadreieck« Karl May und Mr. Ripley.

Martin Bretschneider (l.) und Christoph Jöde sind in »Bermudadreieck« Karl May und Mr. Ripley.

Gemäß des Konzepts der Reihe "re-classified" mit fünf Uraufführungen in der kleinsten Spielstätte des Bochumer Schauspielhauses lässt der Autor Figuren aus Geschichte und Literatur aufeinander treffen. Hier Karl May, der sich aus dem sächsischen Ernstthal, aus der engen Existenz hinweg träumte in den wilden Westen. Dort der talentierte Mr. Ripley, Patricia Highsmiths Romanfigur, auch er auf der Suche nach dem perfekten Dasein. Eine dritte Figur die Flugpionierin Amelia Earhart wurde während der Proben gestrichen.

Im engen, nebligen Rund, das sich auf Einladung der lockenden Stimme des Bermudadreiecks (aus dem Off: Veronika Nick) öffnet, kann der Zuschauer fast auf Tuchfühlung gehen, sieht jeden perlenden Schweißtropfen, jeden Perspektivwechsel der beiden Schauspieler - auch das macht den Reiz der kurzweiligen Inszenierung von Eva-Maria Baumeister aus.

Martin Bretschneider und Christoph Jöde machen die Verzweiflung, die Hoffnung und auch Brutalität ihrer Figuren deutlich. Bretschneider ist der Held Old Shatterhand, der mit Winnetou die gewagtesten Abenteuer besteht. Und er ist der kleine, blinde Junge, dem die Großmutter - eine Handpuppe - von Ardistan und Dschinnistan erzählt. Betrügereien begleiten sein Leben. Perfekt sind nur seine Romanfiguren. Allzu perfekt, um als Mensch zu bestehen: Winnetou muss sterben.

Jöde schlüpft als Tom Ripley aus der unscheinbaren, biederen Haut, wird durch einen Mord zu dem, der er sein will und merkt doch, dass er seinem Ich nicht entfliehen kann. Den gegenseitigen Trost verwehrt der Autor den beiden, lässt sie nur für ein paar Beschimpfungen aufeinander treffen. Im Bermudadreieck bleibt halt jeder allein.

  • Vorstellungen: 7./11./18./22.12.; Karten: (02 34) 33 33 55 55
  • www.schauspielhausbochum.de