Im Dienst der Farbe

Museum Küppersmühle Duisburg

Er zählt zu den wenigen Kunstkritikern, die ein künstlerisches Werk von beachtlichem Rang geschaffen haben. Diese Doppelbegabung prägt die Malerei des im März mit 74 verstorbenen Künstlers Rolf-Gunter Dienst. Kalligrafische Elemente lassen die nuancierten Farben seiner Bilder rhythmisch tanzen.

DUISBURG

, 01.07.2016 / Lesedauer: 2 min
Im Dienst der Farbe

"Scaramouche" heißt dieses Bild von Rolf-Gunter Dienst

Das Duisburger Museum Küppersmühle widmet dem langjährigen Redakteur der einst tonangebenden Zeitschrift "Das Kunstwerk" eine umfassende Werkschau, in der seine Streifenbilder etwas unterrepräsentiert sind, dafür aber seine Farbfeld-Malerei umso mächtiger auftrumpft. Rolf-Gunter Dienst lässt sich keiner gängigen Schublade zuordnen. Begonnen hat er 1962 mit flüchtig hingekritzelten, zeichenhaften Elementen, die sich in schier endlos auf farbigen Streifen aneinanderreihen. Diese recht lebhafte konkrete Kunst bedeutete für Rolf-Gunter Dienst, die spontane Gestik der informellen Malerei zu wahren, aber das Lyrische jener Nachkriegstendenz zu überwinden.

Schleifen und Schlaufen

Schon in dieser frühen Phase überlagern sich Schleifen und Schlaufen diffus in leuchtenden Farben. Die Farbe sollte sein großes Lebensthema werden. Wie nuanciert Rolf-Gunter Dienst Farbe als Ausdruck komplexer, oft literarischer Bezüge einsetzte, zeigen die bis zu zehn Meter breiten und zwei Meter hohen Großformate in fein abgetönten seidenmatten Acrylfarben. Die Farbexplosion des neun Meter messenden Triptychons "Macondo" spiegelt den leuchtende Lebensüberschwang des imaginären Ortes, in dem Gabriel Garccía Márquez' Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" spielt.

Weißer Wal als Inspiration

Dem weißen Wal, dem Kapitän Ahab in Herman Melvilles Roman "Mobby Dick" fieberhaft nachstellt, ist eine der Arbeiten in einem Saal mit rein weißen Bildern gewidmet. "Vierte Dimension der Stille" nannte Rolf-Gunter Dienst das radikalste dieser Werke. Pechschwarz dagegen, aufgemischt durch feine Streifen in nachtdunklem Blau, Violett und Braun, setzen die Bilder im Saal nebenan einen Kontrapunkt.

Mittendrin tauchen Bilder mit solch skurrilen Titeln wie "Pamela Boom Boom" oder "Miss Zaboo" auf. Rolf-Gunter Dienst hat sie nach Tänzerinnen des Pariser Etablissements "Crazy Horse" benannt.

Museum Küppersmühle Duisburg: "Rolf-Gunter Dienst - Mein Gedicht heißt Farbe", bis 18.9.2016, Philosophenweg 55, Mi 14-18, Do-So 11-18 Uhr, Katalog 29 Euro.

Schlagworte: