Im eigenen Haus aufs Dixiklo

WICKEDE Zu einem Albtraum haben sich die eigenen vier Wände bisher für fünf Familien am Pleckenbrink entwickelt. Wegen „übersehener“ Wasserleitungen fehlt bis heute der Kanalanschluss, somit die Entwässerung. Also: aufs Dixieklo gehen, woanders duschen, waschen, spülen.

von Von Uwe Brodersen

, 12.09.2008, 15:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dixiklo statt eigenes Bad: Das hatte sich Monika Potyka aus dem Pleckenbrink 14 b anders vorgestellt.

Dixiklo statt eigenes Bad: Das hatte sich Monika Potyka aus dem Pleckenbrink 14 b anders vorgestellt.

Dabei seien sie in Plänen von DEW21 enthalten. Die Wohnbau bzw. der Architekt der Baufirma hätten vergessen, diese Pläne anzufordern. Der Kanalbau ist gestoppt worden, die Wohnbau will zusätzliches Geld. Die Konfrontation zwischen Eigentümern und Bauträger dauert schon Monate. Trotz fehlendem Anschluss waren einige Familien wegen abgelaufener Mietverträge gezwungen, in die Neubauten einzuziehen. Finanzielle Nachforderungen seien ungerechtfertigt, sagt Viktor Klobuk, einer der Eigentümer: „Wir haben den Kanalanschluss mit 20 000 Euro pro Familie längst bezahlt. Er ist Teil des Kaufvertrages.“ Von Dieter Schmidtke, dem Inhaber der Wohnbau, sei nichts zu hören.

Auf RN-Nachfrage, wann denn der Anschluss am Pleckenbrink gelegt werde, antwortete Dieter Schmidtke, „wenn sich die Eigentümer einig sind“. Seine Firma habe alle Pläne angefordert und eingesehen. Die 50 cm dicke Druckwasserleitung befinde sich nicht dort, wo sie laut Plan liege. „Sie verläuft drei Meter näher zum Neubau.“ Jetzt müsse für den Kanalanschluss tiefer gegraben werden. Mehrkosten: 22 500 €. Die Wohnbau sei bereit, 10 000 € zu zahlen, die fünf Eigentümer müssten sich mit je 2500 € beteiligen. Schmidtke sieht den „schwarzen Peter“ bei der Stadt bzw. bei der DEW. Er werde klagen, und so könnten die Anwohner und auch er das Geld in Form von Regressansprüchen zurückerhalten.

Die Stadt nehme sich nichts von diesen Beschwerden an, so Tiefbauamtsleiter Hubert Keune. Der Bauträger müsse nicht nur eine Entwässerungsauskunft einholen, sondern sich auch bei anderen Versorgern über eventuelle Leitungen informieren. Die Firma habe kurzfristig eine neue Baugenehmigung mit dem abgeänderten Plan bekommen. Seine Behörde habe die Wohnbau aufgefordert, den Anschluss unverzüglich einzurichten. „Für uns ist das alles eine unerträgliche psychische Belastung“, erzählt Anwohnerin Monika Potyka. Zwei der kleinen Kinder seien auch schon krank gewesen. „Wir haben doch ein schlüsselfertiges Haus gekauft.“

  • Jeder, der bauen möchte, muss bei seiner Kommune eine Entwässerungsauskunft einholen. So erfährt er, wo sich die öffentlichen Kanäle befinden. Er erstellt einen Plan, wie er das Haus an das öffentliche Kanalnetz anzuschließen gedenkt, die Stadt prüft dies und erteilt dann eine Baugenehmigung.
  • Im vorliegende Fall soll jetzt wegen der im Wege liegenden Leitung der Anschluss tiefer verlegt werden. Auch dafür muss die Behörde grünes Licht geben.
  • Der Bauträger hat die Pflicht, sich bei anderen Versorgern zu informieren. Streitfall ist hier die Diskrepanz zwischen Plan und Realität: Die Leitung verläuft anders als eingezeichnet.
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