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Im geborgten Körper auf der Suche nach starken Gefühlen

Premiere Zeitmaul-Theater

Sie zuckt mit dem Oberkörper, der eben noch wie leblos in dem Sessel lag. Sie stößt unmenschliche, urschreiartige Geräusche aus, blinzelt aus schwarzgeränderten Augen. Litlith windet sich in dem Körper. Es ist wie Tod und Geburt zugleich.

BOCHUM

von Von Julia Wessel

, 07.10.2011 / Lesedauer: 3 min
Im geborgten Körper auf der Suche nach starken Gefühlen

Als Lilith versucht Maria Wolf derzeit in der Produktion des Theaters Zeitmaul sich von der Essenz der Menschen zu nähren.

Sie, die Heimatlose, aus dem Garten Eden Verbannte, gleitet durch die Nacht. Sie ist der Wind, der in die Körper hinein fährt. Sie ist der schwarze Parasit, der sich in düstere Seelen bohrt, diese noch extremer handeln lässt. Ein Mann, der seine Frau verdrischt. Der kleine Sohn im Nebenzimmer, der um die Mutter bangt, dem sie, einem Schatten gleich, das Leben aussaugt. „Oh Gott“, wispert es im Publikum. Lilith ist nichts für Harmoniebedürftige. Das Faszinierende daran: das Szenario auf der Bühne ist absolut schlicht gehalten. Ein einfaches Kostüm, wenig Spielerei mit der Beleuchtung – und nur eine Schauspielerin, nur Maria Wolf. Dann und wann erklingen Stimmen oder Geräusche vom Band.

Wolf schafft es, die Szenarien des monologischen Stücks direkt in die Vorstellungswelt der Zuschauer zu transportieren. Und so sehen sie ihn eben doch, den Psychopathen, der die Frau erwürgen will. Die wendet sich, gesteuert von Lilith, der der Mann nicht extrem genug ist, gegen den Mörder und erschlägt ihn. Doch all das bleibt nicht in Lilith, erfüllt sie nicht dauerhaft mit Essenz. Vielleicht, weil die Menschen der Gegenwart auch leer sind. So schlägt ihr Gebet, der Rahmen des Stücks, in ein Flehen um. Ein Flehen um Vernichtung. Doch statt dieser folgt ein Herzschlag.