Im Gehirn ziehen drollige Männlein die Strippen

Film "Alles steht Kopf"

Wichtigster Schauplatz des Films "Alles steht Kopf" ist das Gehirn der elfjährigen Riley Anderson. Bekanntlich ist das menschliche Hirn die komplexeste biologische Struktur im Kosmos, aber man kann seine neurochemischen Vorgänge auch anders zeigen: als quietschbunte Puppenstube, wo drollige Männlein die Strippen ziehen und in der Kommandozentrale den Gefühlshaushalt eines Mädchens steuern.

01.10.2015, 20:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Im Gehirn ziehen drollige Männlein die Strippen

Die Personifikation der Wut steht in hellen Flammen.

So zu sehen in Pixars "Alles steht Kopf", einem Animationswerk, das auf fabelhafte Weise Anspruch und Abenteuer vereint. Eine Reise in unser Bewusstsein, in die Tiefen von Erinnerung, Fantasie, Traum. So pfiffig und lehrreich aufbereitet, dass ein Sigmund Freud wohl seine Freude hätte, wie hier Kindern von Seele, Geist und Unterbewusstem erzählt wird.

Schweres Thema erfrischend visualisiert

Das Team um Regisseur Pete Docter hat ein schweres Thema ganz erfrischend visualisiert. Die Schaltzentrale in Rileys Kopf ähnelt der Brücke des Raumschiffs Enterprise, es gibt eine Bedienkonsole mit Reglern und Knöpfen, ein Monitor zeigt, was das Mädel mit dem Augen wahrnimmt.

Fünf Figuren lenken Rileys Empfindungen, sie stehen für die großen Emotionen, und so heißen sie auch: Freude ist eine Dame voller Optimismus. Kummer wird verkörpert von einem moppeligen Trauerkloß. Die Wut ist ein roter Hitzkopf, Miss Ekel trägt grün, die Angst ist eine spillerige, koboldähnliche Zitterbacke. Erst im Konzert dieser Fünf formt sich Rileys Naturell.

Gedankenzüge fahren vorbei

Es gibt innere und äußere Handlung. Außen, das ist Rileys neuer Wohnort San Francisco. Neues Haus, neue Schule, Stress pur. Im Inneren von Rileys Kopf sehen wir Gefühls-Ingenieure bei der Arbeit, Gedankenzüge (wörtlich genommen) auf der Fahrt, Erinnerungen, die zur Ablage kullern und - köstliche Idee: die Traum-Produktion, die an einen Hollywood-Dreh erinnert.

Das Gehirn als Achterbahn, Fantasialand, Rohrpost-System. "Freude" und "Kummer" geraten auf Abwege, sie müssen zurück in die Zentrale. Spannend, lustig, bordvoll mit Ideen. Und clever genug, dass Kinder wie Erwachsene auf ihre Kosten kommen.