Im Glaskasten in Marl tanzen die Skulpturen

Ausstellung Gerlinde Beck

Die Skulpturen scheinen durch den Raum zu tanzen: Eine Ausstellung im Glaskasten in Marl widmet sich dem Schaffen von Gerlinde Beck. Die Bildhauerin war fasziniert vom Drehtanz Dore Hoyers - und vom Bauhaus-Künstler Oskar Schlemmer.

MARL

, 27.02.2015, 08:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Im Glaskasten in Marl tanzen die Skulpturen

Skulpturen, die eine Beziehung zwischen bildender Kunst und Tanz herstellen: Gerlinde Beck im Glaskasten Marl

„Man breitet die Arme ganz weit aus, soweit es einem möglich ist, und beginnt, sich um die eigene Achse zu drehen. Zuerst langsam, dann schneller, wieder langsamer, bis die Arme ermüdet von selbst herunterfallen“, hat Beck einmal gesagt.

Schwingungen

Sie sprach vom Drehtanz Dore Hoyers, der sie zu einem ihrer Werke inspiriert hat. Es ist ein Satz, der auch die Skulpturen der Bildhauerin, die zurzeit in der Ausstellung „Raumchoreografien. Tanz, Klang und Raum in der Skulptur von Gerlinde Beck“ im Glaskasten in Marl zu sehen sind, ziemlich treffend beschreibt.

 

Als junges Mädchen war Beck fasziniert vom Drehtanz Dore Hoyers, einer Schülerin der berühmten Ausdruckstänzerin Mary Wigman. Diese frühe Faszination hat nachhaltige Spuren in ihrem künstlerischen Schaffen hinterlassen. Immer wieder greift Beck den Tanz, die Drehungen des Körpers um die eigene Mittelachse und die Bewegung im Raum auf – etwa in ihren schlicht „Stelen“ betitelten Skulpturen oder den „Monumenten für Dore Hoyer“.

Hommage an Oskar Schlemmer

 

Die Bewegung und Schwingung von Körpern, die in ihren Skulpturen eingefroren zu sein scheinen, waren ein wesentlicher Ausdrucksmoment von Beck. Die Bildhauerin habe räumliche Befindlichkeit und Bewegung erfahrbar und anschaulich machen wollen, erklärt der Kurator Uwe Rüth. Die Bildhauerin Gerlinde Beck, gestorben 2006, gehörte zu den bedeutendsten deutschen Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts.

In der Ausstellung in Marl, einer Würdigung zum 85. Geburtstag von Beck, sind auch Werke zu sehen, mit denen der Bauhaus-Künstler Oskar Schlemmer und sein triadisches Ballet gehuldigt wird.

Klangstraße

Im Foyer empfängt den Besucher die Klangstraße der Künstlerin: Stahlskulpturen, die bespielt werden können – allerdings nur von Profi-Musikern. So hat es Gerlinde Beck gewollt. Der Videofilm „Raumchoreografien – Begegnungen mit dem Werk der Bildhauerin“ der Medien-Künstlerin Kerstin Ergenzinger rundet die Ausstellung ab. Auch da steht, natürlich, der Tanz im Mittelpunkt.