Im Schatten der Belcanto-Queen

Philharmonie Essen

"Unbeschreiblich weiblich" lautete das Motto der von der Theater und Philharmonie Essen bis gestern erstmals veranstalteten Festtage "Kunst hoch fünf", die laut Intendant Hein Mulders künftig alljährlich zu erleben sein sollen.

ESSEN

, 20.03.2016, 12:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Yolanda Auyanet

Yolanda Auyanet

Ausgerechnet das Highlight, die Operngala mit Superstar Edita Gruberova am Freitagabend in der Philharmonie, konnte allerdings aus Krankheitsgründen nicht stattfinden. Zwar sprang die junge Spanierin Yolanda Auyanet  ein, aber wer mochte von ihr einen wirklichen Ersatz für die "Königin des Belcanto" erwarten?

Vergleich der Sängerinnen

Einen Vergleich der beiden Sängerinnen legte gleich zu Beginn Bellinis berühmte "Casta diva"-Arie aus "Norma" nahe. Auch Yolanda Auyanet, die die Norma übrigens noch zwei Tage vor ihrem Essener Auftritt komplett am Stadttheater St. Gallen interpretiert hatte, sang die Belcanto-Partie sehr kultiviert, mit ausgeglichenen langen Legato-Linien und schöner, weicher Höhe. Insgesamt aber klang die Spanierin schon hier eher dramatisch als lyrisch und mit deutlich weniger Ausdrucksnuancen als die Gruberova.

Auch äußerlich eher distanziert-kühl vermochte sie so nicht wirklich zu berühren. Zudem war sie mit den ansonsten zuverlässig begleitenden Essener Philharmonikern unter Peter Valentovic hier nicht immer ganz zusammen.

Dramaturgische Anlage der Szenen und Arien 

Was Yolanda Auyanet durchweg glänzend gelang, war die dramaturgische Anlage der Szenen und Arien - mit jeweils strahlender, mitreißender Schlusssteigerung. Schönen, doch leidenschaftslosen Gesang bot sie bei Verdi als Leonora im "Troubadour" und - mit äußerst tragfähiger Stimme (!) - als schwindsüchtige Violetta in "La Traviata".

Ihre kultivierte Zurückhaltung gab die Sopranistin erst in der intensiv vorgetragenen, heftige Emotionen herausschleudernden Arie "Quel sangue versato" aus "Roberto Devereux" von Donizetti auf. Unter die Haut gehendes Gefühl aber gab’s von ihr nur in den beiden Puccini-Zugaben: "Signore, ascolta" aus "Turandot" und "O mio babbino caro" aus "Gianni Schicchi".

Noch kein neuer Termin

Ob und wann die Gruberova-Fans in Essen wieder auf ihre Kosten kommen, konnte Intendant Mulders am Freitag noch nicht sagen. Aber: "Wir versuchen, einen neuen Termin mit ihr zu finden".