Im Schulbus müssen die Schüler trotz Corona eng zusammenrücken

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In der Schule gelten viele Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Ausbreitung der Corona-Infektionen. In überfüllten Schulbussen, so beklagen Bocholter Eltern, müsse das Abstandsgebot ignoriert werden.

von Sebastian Renzel

Borken

, 07.11.2020, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Maskenpflicht, Abstand halten, regelmäßig lüften. Schulen und Schüler haben in der Corona-Pandemie einiges zu tun, damit das Risiko einer Infektion möglichst gering gehalten wird. Doch mit dem Schritt in den Schulbus müssen viele Schüler das Abstandsgebot über Bord werfen, wenn sie mitfahren wollen.

Mehrere Eltern haben von überfüllten Bussen berichtet, die schon in normalen Zeiten an der Kapazitätsgrenze gewesen sein sollen. Westfalenbus, in diesen Fällen der Busbetreiber, hat zwar teilweise zusätzliche Busse eingesetzt, doch auch diese reichen offenbar nicht aus.

„Zustand ist nicht hinnehmbar“

„Morgens geht es noch“, sagt der Isselburger Berthold Daxenberger, dessen Sohn das Berufskolleg Bocholt-West besucht und täglich mit der Linie 61 fährt, die von Bocholt nach Rees führt. „Doch in der Mittagszeit sieht das anders aus.“ Dann wird es laut Daxenbergers Sohn so eng, dass der Busfahrer die Schüler teilweise darum bitten müsse, doch enger zusammenzurücken, damit alle mitfahren können. Gerade in der jetzigen Zeit sei das ein Zustand, der so nicht hinnehmbar sei.

Auf Anfrage des Bocholter Borkener Volksblatts bestätigte Westfalenbus die Probleme auf der Linie. Das Unternehmen der Deutschen Bahn habe bereits seit den Sommerferien einen zusätzlichen Bus auf der Strecke eingesetzt. Mehr Busse und Fahrer seien zu dieser Uhrzeit nicht mehr verfügbar, teilt ein Sprecher von DB Westfalenbus mit. Für das Unternehmen wäre es „die beste Lösung, die Schulanfangs- und endzeiten flexibel zu gestalten, sodass wir dann die Busse auch flexibler einsetzen könnten“.

Kein Vorwurf an die Schule

Von Problemen berichtet auch Thomas Kalkofen aus Rhede. Seine Tochter geht auf das Euregiogymnasium. Auf dieser Strecke fährt ebenfalls Westfalenbus. An mehreren Tagen in der Woche seien die Busse auch dort total überfüllt. „Sie stehen teilweise so eng an eng, dass sie nicht mehr umkippen können. Sobald die Schulbusse betreten werden, scheint das Virus nicht mehr zu existieren, anders kann ich mir diese unhaltbaren Zustände nicht erklären“, sagt Kalkofen. Der Schule macht er dabei ausdrücklich keinen Vorwurf. Dort würden die Maßnahmen mit sehr viel Aufwand, Verzicht und Disziplin umgesetzt.

Bei der Stadt Bocholt gehen regelmäßig Beschwerden zur Bussituation ein. „Wir versuchen, mit den Busunternehmen zu sprechen und sie zu bitten, mehr Busse einzusetzen“, sagt Dirk Lueg, Leiter des städtischen Geschäftsbereichs Schule und Planung. Doch letztendlich gebe die Stadt nur die Zahlen der Schüler, die mit dem Bus fahren, weiter. Das Busunternehmen sei dafür verantwortlich, genügend Busse zu stellen.

Es gibt nicht genügend Busse

Beschwerden gehen auch beim Euregiogymnasium regelmäßig ein. Mit der Situation ist man dort alles andere als zufrieden. Die Schulleitung ist in Kontakt mit Westfalenbus. Da sich der Stundenplan quartalsweise ändert, wird regelmäßig der aktuelle Bedarf an Schulbusplätzen geschickt, sagt der stellvertretende Schulleiter Jan-Bernd Lepping. Doch Westfalenbus sage, dass einfach nicht genügend Busse zur Verfügung stehen würden. Auf die Nachfrage, ob sich die Schule einen entzerrten Stundenplan vorstellen könne, sagte Lepping: „Das müsste zunächst in der Schulleitung besprochen werden. Aber eine Änderung des Stundenplans ist eine extrem große Herausforderung und nicht ohne Weiteres machbar.“

Im Fall des Euregiogymnasiums konnte in der vergangenen Woche jedoch ein leichter Fortschritt verzeichnet werden. Laut Lueg ist der aktuelle Stundenplan der Schule Westfalenbus zugeschickt worden. Dort will man nun versuchen, irgendwie zusätzliche Busse aufzutreiben. Ein Versprechen sei das aber nicht, betont die Stadt ausdrücklich.

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