Imi Knoebels vollkommener Raum in Wuppertal

Skulpturenpark Waldfrieden

Als Schüler von Joseph Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf fing die Künstlerkarriere von Imi Knoebel in den 60er-Jahren an. Knoebel widmete sich dem Minimalismus, beanspruchte Raum 19 der Akademie statt in Beuys' Raum 20 einzuziehen. Sein Schlüsselwerk entstand in Raum 19 - das ihn bis heute geprägt hat und das er nun im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal in seiner Ausstellung "Bilder" zeigt.

WUPPERTAL

, 17.07.2017 / Lesedauer: 3 min
Imi Knoebels vollkommener Raum in Wuppertal

Tony Cragg (l.), Inhaber des Skulpturenparkes Waldfrieden, und Imi Knoebel vor dessen Kunstwerk „Union III“. Foto: Stolz

Nur wenige Sekunden nach Betreten des Skulpturenparks von Tony Cragg sticht dem Besucher Knoebels Werk ins Auge. Hoch oben im Park steht die Ausstellungshalle, in der der 76-jährige Düsseldorfer Künstler seinen "Raum 19", seine erste Einzelausstellung aus dem Jahre 1968, eingerichtet hat.

Die Fassade ist verglast, und doch intransparent. Knoebel hat sie von innen mit weißer Acrylfarbe bemalen lassen. Die Installation selbst nimmt nur gut ein Viertel des Raumes ein und ist doch gewaltig. Es ist schon "Raum 19 III" - der erste steht in New York und der zweite in Darmstadt.

Knoebels Raum des Minimalismus

Sein dritter Raum enthält grundlegende Elemente des ersten Raumes - und eine große Batterie. Auf den ersten Blick wirkt Knoebels Werk unvollkommen, es stehen Bilderrahmen an meterhohen Quadern, Rechtecken und anderen geometrischen Formen, mit der Knoebel seine Kunst unverkennbar dem Minimalismus zuschreibt. 

Auf dem Boden davor liegen Dreiecksfiguren scheinbar zersplittert und dem künstlerischen Ende geweiht. Doch es ist eben diese Unvollkommenheit, die "Raum 19" vollkommen macht.

In Knoebels Raum gehen raumgreifende Körper eine Beziehung mit flächigen Schichtungen ein und stehen im krassen Gegensatz zu der nicht ganz vier Meter hohen Batterie aus Aluminium nebenan. Sie zieht den ersten Blick auf sich, bei näherer Betrachtung aber steht sie hinter dem Urwald aus Hartfaser und Holz hintenan.

Tafelbilder in den drei Grundfarben

Ganze 300 Meter machen Knoebels Ausstellung zu einem sportlichen Programm, weil diese zurückzulegen sind, wenn der Besucher auch die Tafelbilder im unteren Ausstellungsraum begutachten will. Unten angekommen zieht das sechs Meter lange Kunstwerk "Fishing Yellow I" die Aufmerksamkeit auf sich.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Imi Knoebel im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal

Künstler Imi Knoebel ist vom 15. Juli bis zum 3. Dezember im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal vertreten, auf Einladung des Besitzers Tony Cragg, der ein langjähriger Freund des Düsseldorfers ist. Knoebel, früherer Schüler Joseph Beuys', präsentiert neben seinem "Raum 19" auch einige farbige Tafelbilder.
18.07.2017
/
"Raum 19" ist das Schlüsselwerk Imi Knoebels, eine Installation, die er 1968 geschaffen hat.© Fotos: Stolz
Zwischen allerlei geometrischer Formen liegen auch zerstückelte Dreiecksformen.© Foto: Stolz
Die Installation des Beuys-Schülers Knoebel ist der Kunstrichtung des Minimalismus zuzuschreiben. Alle Formen sind aus Hartfaser oder Holz.© Foto: Stolz
Neben seiner Installation "Raum 19" sind auch einige farbige Tafelbilder Knoebels zu sehen. Unter anderem das sechs Meter lange Werk "Fishing Yellow".© Foto: Stolz
Imi Knoebel muss nicht nur zu diesem Werk einige Fragen beantworten.© Foto: Stolz
Neben "Fishing Yellow" stellt Knoebel auch "drunter und drüber" (links) und "Ich nicht" (rechts) aus.© Foto: Stolz
Das Kunstwerk "Ort - Rot Blau Blau Gelb" befindet sich direkt am Eingang,...© Foto: Stolz
... von dort aus hat der Besucher einen besseren Überblick über die untere Ausstellungshalle im Skulpturenpark.© Foto: Stolz
Auch das fünfte Exponat ist Acryl auf Aluminium und heißt "Union III".© Foto: Stolz
Tony Cragg, Besitzer des Skulpturenparkes, und Imi Knoebel vor dem Werk, das die gesamte linke Wand ziert.© Fotos: Stolz
Schlagworte Wuppertal

Wie bunte, übereinander gelegte Zollstöcke, die miteinander verschmelzen, sieht das farbige Tafelbild aus. Alle Bilder in der unteren Halle sind in den Grundfarben Rot, Blau und Gelb gehalten. Von Knoebel in Szene gesetzt, überrascht die geniale Schlichtheit der dreifarbigen Kunst. 

Mal mischt sich ein dunkelblaues Element, wie beim Kunstwerk "Union III", ein, mal ein himmelblaues, wie bei "Fishing Yellow II". Neben "drunter und drüber H7" und "Ich nicht IV", begleitet das Exponat "Ort -¨Rot Blau Blau Gelb" den Besucher Richtung Ausgang.

Tafelbilder als Zwischenstation zu "Raum 19"

Man ist fast gewillt, sich in die zum Besucher geöffneten drei Wände in Rot, Blau und Gelb zu flüchten. Doch die Aluminium-Platte auf dem Boden verbietet es. Die bunten Bilder sieht Imi Knoebel als "Zwischenstationen". Seinen Ursprung sieht er ganz klar im "Raum 19". 

Dass sich sein Schlüsselwerk auf einfache Materialien wie Holz und Hartfaser beschränkt, hat einen einfachen Grund. "Früher, als ich noch Student war, war es das günstigste Material", sagt Knoebel.

Mit seiner weißen Bemalung der oberen Ausstellungshalle will er die Größe des Raumes verschließen. "Es ist wie eine weiße Wand, nur lebhafter", erklärt Imi Knoebel, der sagt, einfach mal wieder gemalt haben zu wollen.

Skulpturenpark Waldfrieden Wuppertal: "Imi Knoebel - Bilder", 14.7. (Eröffnung 17 Uhr) bis 3.12., Hirschstraße 12, Di-So 10-19 Uhr. Eintritt12 (ermäßigt 9) Euro. skulpturenpark-waldfrieden.de