Impfbeginn steht fest: Was man jetzt zur Corona-Impfung wissen muss

Coronavirus

Die ersten Menschen in NRW sollen sich noch in diesem Jahr gegen Corona impfen lassen können. Wer wird zuerst geimpft? Wo bekomme ich einen Termin? Und wie laufen die Impfungen ab? Ein Überblick.

NRW

, 19.12.2020, 14:48 Uhr / Lesedauer: 4 min
Ein Sanitäter steht im Impfzentrum vor dem Hinweisschild "Zugang Impfstraße". In der Messehalle sollen, wenn der Impfstoff bereitsteht, bis zu 2400 Menschen pro Tag geimpft werden.

Ein Sanitäter steht im Impfzentrum vor dem Hinweisschild „Zugang Impfstraße“. In der Messehalle in Essen sollen, wenn der Impfstoff bereitsteht, bis zu 2400 Menschen pro Tag geimpft werden. © picture alliance/dpa

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat am Dienstag bekanntgegeben, dass sie am 21. Dezember ihr Gutachten zum Corona-Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer abgeben will – acht Tage früher als zuvor geplant. Wenn damit die Zulassung für den Impfstoff erfolgt, können auch in Deutschland Menschen geimpft werden.

Doch welche Personengruppen bekommen zuerst den langersehnten Impfstoff verabreicht? Wenn ich dann zu dieser Gruppe gehöre, woher bekomme ich einen Termin? Und wie laufen eigentlich die Impfungen in den dafür aufgebauten Zentren ab? Wir klären vor dem Impfbeginn in NRW alle wichtigen Fragen zu dem Thema.

Ab wann werden in Deutschland die ersten Menschen geimpft?

Die Bundesländer stellen sich auf einen Impfbeginn am 27. Dezember ein, wie die zuständige Berliner Senatsverwaltung als Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz am Mittwoch mitteilte. Dies sei Ergebnis einer Konferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), hieß es auch aus Regierungskreisen. Die Bundesregierung setzt auf eine europäische Zulassung für den ersten Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer noch kurz vor Weihnachten.

Wie es aus Teilnehmerkreisen der Bund-Länder-Beratungen hieß, wird als Voraussetzung für einen Start am 27. Dezember eine Zulassung der EU-Kommission am 23. Dezember angenommen. Die konkreten Impfstoff-Chargen müssen auch noch vom bundeseigenen Paul-Ehrlich-Institut geprüft werden. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat am Donnerstag (17. Dezember) den geplanten Impfstart am 27. Dezember bestätigt.

Wer wird dann zuerst geimpft?

Die aktuell bestellten Impfdosen werden am Anfang nicht für alle reichen. Auch ist es schlicht unmöglich, jeden Impfwilligen in Deutschland innerhalb weniger Tage zu impfen. Daher wurden im Entwurf der Verordnung zum „Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus“ Priorisierungen vorgenommen. Vor allem besonders gefährdete Menschen, wie ältere Personen, Pfleger und Ärzte gehören zu dieser Gruppe.

Die höchste Priorität genießen:

  • Personen im Alter von über 80 Jahren
  • Personen mit Trisomie 21 und Personen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 50 und Pflegestufe 4 oder 5
  • Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen
  • Personal mit besonders hohem Ansteckungsrisiko in medizinischen Einrichtungen (z.B. Notaufnahmen, medizinische Betreuung von Covid-19-Patienten)
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu besonders gefährdeten Gruppen
  • Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege
  • Andere Angestellte in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu den Bewohnern

Die zweithöchste Priorität genießen:

  • Personen im Alter von 75-80 Jahren
  • Personal mit hohem Ansteckungsrisiko in medizinischen Einrichtungen
  • Personen mit Demenz oder einer geistigen Behinderung in Institutionen
  • Tätige in der ambulanten oder stationären Versorgung von Personen mit Demenz oder geistiger Behinderung

In dem Entwurf der Verordnung werden die Prioritäten in insgesamt fünf Stufen eingeteilt. In der dritten Stufe folgen beispielsweise Personen mit Vorerkrankungen mit erhöhtem Risiko und deren engste Kontaktpersonen sowie enge Kontaktpersonen von Schwangeren. Lehrer und Erzieher sind an vierter Stelle verordnet. Zur fünften Priorisierungsstufe gehören unter anderem das Personal der Landes- und Bundesregierungen, von Polizei, Feuerwehr, Justiz, Bundeswehr, Abfallwirtschaft und öffentlichem Personennahverkehr sowie Beschäftigte im Einzelhandel

Werden auch Menschen geimpft, die schon am Coronavirus erkrankt waren?

Nein, zumindest nicht am Anfang. Laut dem Entwurf der Verordnung genießen bereits erkrankte Personen aufgrund des verringerten Risikos einer Neuinfektion geringere Priorität, als Personen, die sich nicht mit SARS-CoV-2 infiziert

haben.

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Wo kann man sich impfen lassen?

Für einen baldigen Start von Corona-Impfungen sind in ganz Deutschland regionale Zentren eingerichtet worden, über die Impfungen zunächst gebündelt anlaufen sollen. Bis zu 440 Standorte sollen dafür genutzt werden können, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Landesregierungen ergab. Das können dann im einzelnen Messehallen, Sportzentren, Hotels oder Industriehallen sein. In NRW entstehen für den möglichen Impfstart im Dezember 53 Impfzentren - in jedem Kreis und jeder kreisfreien Stadt mindestens eins. Wo sie genau stehen, zeigt unsere interaktive Karte:

Wie laufen die Impfungen in den Zentren ab?

In jedem Impfzentrum durchläuft man innerhalb einer sogenannten Impfstraße insgesamt sechs Stationen. Zu Beginn erfolgt die Anmeldung inklusive Temperaturmessung und Überprüfung der Terminvergabe und der Impfberechtigung. Im Anschluss muss in einem separaten Lesebereich ein Fragebogen ausgefüllt werden.

Betriebsbereit ist das künftige Impfzentrum der Stadt Frankfurt in der Festhalle auf dem Messegelände.

Das künftige Impfzentrum der Stadt Frankfurt in der Festhalle auf dem Messegelände ist betriebsbereit. © picture alliance/dpa

Im dritten Schritt erfolgt dann die eigentliche Registrierung für die Impfung. Bevor diese dann erfolgt muss jeder Patient zu einem Impfgespräch mit einem Arzt. Erst dann erfolgt im vorletzten Schritt die eigentliche Impfung. Im Anschluss muss jede geimpfte Person 15 bis 30 Minuten zur Nachbeobachtung bleiben.

Kann ich einfach zum Zentrum gehen und mich impfen lassen?

Nein. Um sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, benötigt jeder vorab einen Termin. Außerdem muss man zu der Gruppe der Personen gehören, die als erstes Anspruch auf eine Impfung haben.

Wie bekomme ich einen Termin?

Für die Terminvergabe sind die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) zuständig. Alle Impfberechtigten können sich telefonisch über die bundesweit geltende Nummer 116 117 einen Termin geben lassen. Die Möglichkeit zur Online-Anmeldung soll noch folgen. Noch ist jedoch keine Terminvergabe für die Impfung möglich. Auch beim Hausarzt ist zur Zeit nicht machbar, sich vormerken zu lassen.

In welchen Zeiträumen werden die Zentren geöffnet sein?

Die Impfzentren sollen sieben Tagen pro Woche von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein. In der Startphase können in Abhängigkeit des zur Verfügung stehenden Impfstoffs abweichende Öffnungszeiten vorgesehen werden.

Wer bezahlt die Impfung?

Die Kosten für die Impfungen übernehmen die Krankenkassen. Sowohl gesetzlich als auch privat versicherte Bürger müssen also nichts zahlen. Der Bund beschafft den Impfstoff, die Länder kümmern sich gemeinsam mit den Kommunen um die Impfzentren und das Impfzubehör.

Was ist, wenn ich Nebenwirkungen merke?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Bürgern nach einer Corona-Impfung die Möglichkeit geben, mögliche Wirkungen und Nebenwirkungen schnell per App zu melden. „Wir werden das sehr, sehr transparent machen“, sagte Spahn. Das gelte für die Zulassung von Impfstoffen, aber auch für die Zeit danach. „Vertrauen ist beim Impfen das Allerwichtigste.“

Was für Nebenwirkungen können auftreten?

Welche genauen Nebenwirkungen im einzelnen auftreten können, ist bislang noch unbekannt. Eine im Fachmagazin „„New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Studie zu den Impfstoff-Tests der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer hat jedoch bereits ein paar Nebenerscheinungen feststellen können. Dabei handelt es sich aber lediglich um die üblichen Symptome einer Impfung: Müdigkeit, Kopfweh, Schmerzen an der Einstichstelle.

Impfexperten gehen bislang von keinen größeren Beeinträchtigungen durch eine Impfung mit dem Corona-Impfstoff aus.

mit RND und dpa

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