"Impresario von Smyrna" kann nicht überzeugen

Premiere im Bochumer Schauspielhaus

Die Inszenierungen mit den Absolventen des Folkwang-Schauspielstudiums waren mal Höhepunkte im Spielplan des Schauspielhauses. Man ging Wagnisse ein, baute ihnen tolle Bühnenbilder auf einer ordentlichen Bühne, nutzte die Energie der jungen Wilden. Das aktuelle Abschluss-Stück, das Freitag Premiere feierte, kann das leider nicht erfüllen.

BOCHUM

, 15.02.2016, 16:11 Uhr / Lesedauer: 1 min

Carlo Goldonis "Der Impresario von Smyrna" ist eine Satire auf den Opernbetrieb, ein Lustspiel aus der Theater-Mottenkiste. Es heute ohne Aktualisierung, Kommentierung oder Brechung aufzuführen ist zumindest schwierig. Es bietet zwei Handvoll holzschnittartige Charaktere und massig überkommener Klischees, die durch Goldonis Überspitzung noch lange nicht das erfüllen, was heute als Satire durchgehen könnte.

Grandioses Mimikspiel

Marco Massafra, der eigentlich Schauspieler ist und am freien Rottstr5-Theater erste Regie-Erfahrungen sammelte, lässt die Folkwang-Absolventen im Theater Unten nicht vielmehr als den Text abschnurren, zweimal gibt es kurze Gesangseinlagen. Ziemlich klassisches, um nicht zu sagen altmodisches Sprechtheater ist das.

Jetzt lesen

Die Schauspieler geben sich alle Mühe, für Tempo und Timing zu sorgen und es sind viele gute Typen dabei, denen man nur die beste Zukunft wünschen mag: Thomas Kaschel zum Beispiel, der das Geschehen als Hotelier mit grandiosem Mimikspiel kommentiert. Nils Kretschmer, der als Graf Lasca mit starker Stimme den Konkurrenzkampf ins Rollen bringt, oder Anja Kunzmann, die zwischen aufgedrehter Primadonna und kühler Handels-Partnerin changiert.

Schauspieler haben wenig Chancen

Doch spätestens, wenn David Vormweg, der dunkelhaarigste aus dem Ensemble, den Türken Ali mit Sätzen wie "Du sein gute Frau" geben muss, wird klar: Die jungen Schauspieler haben wenig Chancen gegen die Entscheidungen, die für diese Inszenierung getroffen wurden.

Das Ganze lässt sich vielleicht als Anknüpfung an die Commedia-dell’arte-Tradition entschuldigen, aber damit das heute durchgeht, hätte es mehr und deutlichere ironische Distanzierung gebraucht. Falls wirklich ein Interesse daran besteht, dass sich die Absolventen mit ihrem Schauspielhaus-Stück auf dem harten Markt behaupten können, muss man ihnen wieder die dafür notwendigen Mittel und die dazu passende Bühne zugestehen.

Schlagworte: