In „90 Minuten“ geht es um mehr als um Fußball

Politfarce im Kino

Die Palästinenser sind wütend. Der Bus ihrer Mannschaft wurde vier Stunden am Checkpoint festgehalten. Wenn sie nicht trainieren können, werden sie das Spiel absagen. Die Israelis lenken ein. Okay, ihr dürft passieren, doch nächstes Mal seid ihr pünktlich dort! Immer Stunk zwischen Arabern und Juden.

01.07.2016, 20:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
In „90 Minuten“ geht es um mehr als um Fußball

Keine Mauer ist für die Ewigkeit...

Der israelische Film "90 Minuten - Bei Abpfiff Frieden" macht den Nahostkonflikt am Fußball fest, als handfeste Satire, die einen kalten Krieg hinter den Kulissen des Sports zeigt und dabei dem Irrsinn der Realität sehr nahe kommt.

Israel kickt gegen Palästina, als Siegeslorbeer gibt es die umstrittenen Gebiete. Das ist die Prämisse des Romans, den Eyal Halfon in Form einer zwinkernden Pseudo-Doku verfilmt hat. Die Sportdirektoren der Teams (Norman Issa, Moshe Ivgy) werden von Kameras begleitet, fiktive TV- und Radioshows analysieren die Chancen der Mannschaften, die in Portugal das Spiel der Spiele austragen sollen.

Hinterlist auf beiden Seiten

Der Film ist eine Chronik der Hinterfotzigkeiten. Weil ein israelischer Spieler mit arabischen Wurzeln zum Gegner überlaufen will, bekommt er das körperlich zu spüren. Als die Araber ihren Torschützenkönig der Bundesliga nach Gaza holen, müssen sie geheime Tunnel nutzen - Israel hat schnell die Grenze dicht gemacht. Schnappschüsse aus einer Region, in der alles politisch ist, weil Scharfmacher hüben und drüben es so wollen.

Schwarze Komik

Man könne den Kickerstar umbringen, wie man es mit Arabern öfter mache, steht bei den Israelis ein Vorschlag im Raum. Da wird die Komik tiefschwarz. Die jüdischen Spieler fahren nach Yad Vashem, die Araber motivieren sich mit Abstechern zu Orten der Intifada. Vor so viel Pathos kriegt der deutsche Trainer der Israelis (Detlev Buck) kalte Füße und wirft das Handtuch.

Wer das Spiel gewinnt, ist dem Film nicht wichtig. In Lissabon sehen beide Teamchefs Kinder auf der Straße kicken, einfach weil es Spaß macht. So und nicht anders sollte es sein! Eine gut gespielte, heiter-böse Farce, die das Dilemma Israels hell und klug beleuchtet.

 

 

 

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