In „Elektra“-Übermalung gehört das letzte Wort dem Faschismus

Theater Dortmund

Elektra (Caroline Hanke) ist eine Rebellin, die personifizierte Wut auf ein System, in dem das Volk "Frieden und Freiheit spielt". Klytaimnestra (Friederike Tiefenbacher) nennt ihre Tochter Terroristin, Faschistin, Kommunistin, bläst Elektras Enthauptung aber in letzter Sekunde ab.

DORTMUND

, 08.02.2015, 15:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Elektra (Caroline Hanke) mit ihrem späteren Ehemann (Frank Genser) im Dortmunder Schauspielhaus.

Elektra (Caroline Hanke) mit ihrem späteren Ehemann (Frank Genser) im Dortmunder Schauspielhaus.

Hinrichtung nach Art des IS. Eine spätkapitalistische Ordnung, die das Stillhalten der Regierten mit materieller Sicherheit erkauft. "Elektra", Premiere war am Samstag im Dortmunder Schauspielhaus, spielt in einer Gegenwart, in der Dogmen und Feindbilder verwischen und dumpfes Unbehagen das allgemeine Gefühl ist.

Alexander Kerlin (Text) und Paolo Magelli (Regie) machen Euripides' Drama zu einer schroffen Parabel auf das Hier und Heute. Die Figuren sind Megafone, aus denen Slogans und Schlagworte tönen. Ausländer! Asylanten! Terrorzelle! Diskurs-Theater, mehr Farce als Tragödie, wie ganz richtig zu hören ist.

Kerlin und Magelli übermalen Euripides, ein Live-Trio unter Paul Wallfisch "übermalt" Richard Strauss mit sperrig sägendem Noise-Rock. Nicht dass Strauss herauszuhören wäre, man erkennt einzig eine "gefolterte" Version der "Ode an die Freude".

Lob an Ensemble

Hans Georg Schäfers Bühne ist ein Schotterbett unter einer Videowand, in dem proletarisch kostümierte Akteure das ein oder andere Vollbad nehmen. Den Darstellern gebührt ein Lob.

Obwohl Chiffren, sprechen sie doch mit Leidenschaft und Herzblut. Einer hält die Klappe, Carlos Lobo als Pylades. Bis er im Gestapo-Mantel zur Schlusstirade ausholt. Alles scheiße: Film, Theater, Satiremagazin, Streichelzoo, Mahnwache, Asylantenheim. Längst durchgekaut, alles Schrott!

Die Menschheit ist krank, ein reinigendes Blutbad muss her. Das letzte Wort in unserer Welt-Kakofonie aus Thesen und Parolen gehört dem Faschismus. Da ist etwas dran, auch wenn uns das Stück sein Anliegen mit dem Vorschlaghammer penetriert.

 

Termine: 13./28. 2., 1./ 12. 3.; Karten: Tel. (02 31)5027222.

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